Letzter offizieller Gartentermin

Heute ist es endgültig: das Wasser wird abgestellt. Eine Bekanntmachung im Kolonie-Schaukasten fordert uns auf, die Wasseruhren auszubauen und die Leitungen geöffnet zu halten.
Mit Zwerg, Zwergenfreund und vollgepackter Karre nehmen wir den letzten offiziellen Gartentermin dieses Jahres wahr.

Die Kinder verkrümeln sich direkt in den Sandkasten, der Mann steigt in den Hades hinab, um sekundiert von zahlreichen Nacktschnecken die Wasseruhr auszubauen.
„Wie muss man noch mal drehen?“, schallt es aus dem Schacht.
„Von der Laube weg – zu. Zur Laube hin – auf“, rufe ich hinein.
Bei der Gelegenheit fällt mir auf, dass in der letzten Zeit wohl meistens ich das Wasser auf- oder abgedreht habe. Kein Wunder, dass ich mit den Nacktschnecken per du bin.

Während ich neues Laub vom Rasen harke, werfe ich einen Blick auf die beiden Stellen im Beet, wo ich vor Wochen die Zottelwicken ausgesät habe. An der einen Stelle hat sich Gras breitgemacht, von neuen zarten Pflänzchen nichts zu sehen. Ich frage mich, wieso das Gras ausgerechnet hier wuchert. Ich hatte doch alles doppelt und dreifach gejätet.
Liegt es am Kompost, den ich über die Samen verteilt habe? Aber dann sähe der andere Bereich ebenso grasig aus. Doch der wirkt halbwegs gelungen. Auch hier habe ich zwar mit mehr gerechnet, aber immerhin wächst auf dem Quadratmeter kein Gras. Tatsächlich ragen hie und da grazile Pflänzchen aus dem Boden.

Zottelwicken im Beet

Ob das jetzt den erhofften Gründüngereffekt hat, wird sich herausstellen. Im nächsten Frühjahr.
Bis dahin sollte nicht zu viel Zeug in der Laube bleiben. Wir räumen das Badezimmerschränkchen aus, packen alle Kleidungsstücke, Handtücher und Decken zusammen. Alles Essbare und der Inhalt des Kühlschrankes kommen in die Karre. Die restlichen Keksbestände wandern zum Sandkasten, wo die beiden Krümelmonster den Rest erledigen.

Als es dämmert, ist der Garten winterfest, wir verschließen die Laube. Jetzt freue ich mich auf warme Winterwochenenden zu Hause. Und auf die ein oder andere Stippvisite auf Parzelle. Denn wir kommen wieder – das ist doch klar.

 

Ding-dong, wir läuten den Herbst ein!

Seit drei Wochen waren wir nun nicht mehr auf Parzelle. Teils weil so viel anderes los war, teils wegen akuter Unlust (ja, ich gebe es zu).
Seit Tagen aber rascheln die Zottelwickensamen im Tütchen, und das Geräusch verfolgt mich bis in meine Träume. Wenn ich jetzt nicht aussäe, brauch ich es dieses Jahr gar nicht mehr zu tun. Also schnappe ich mir den Zwerg und sein neues Fahrrad und los geht’s.

Petrus sprach „Es werde Herbst“ und es ward Herbst. Unseren Garten jedenfalls hat er jahreszeitlich umdekoriert: viel Laub auf dem Rasen und in den Beeten, die Blätter einer Hecke sind weinrot gefärbt, die gelben Sommerblumen vertrocknet und die Rosen haben es bis auf zwei, drei vereinzelte Knospen auch schon aufgegeben. (OK, das könnte auch daran liegen, dass wir so lange nicht mehr da waren. Unter täglicher Pflege hätte man da sicher noch etwas rausreißen können.)

Während ich die freien Beetflächen wässere, um die verstreuten Unkrautpflänzlein besser herausziehen zu können, tollt der Zwerg über den Rasen.
„Mama, wir haben Pilze in der Wiese!“
Wie jetzt? Ich komme näher und der Zwerg zeigt mir seinen Fund.SAMSUNG DIGITAL CAMERA
Ist das normal? Oder haben wir bei der (Nicht-)Pflege unseres Rasens einen Fehler gemacht?
„Kann man die essen?“, fragt der Zwerg.
„Besser nicht“, sage ich schnell. „Und auch nicht anfassen.“
Was mache ich denn jetzt mit den Dingern? Reiße ich sie einfach aus dem Boden? Muss ich sie ausgraben, damit sie nicht mehr wiederkommen? Und wie heißen die mit Vornamen?

Erst einmal heißt es jedoch, die versprengten Unkräutlein aus dem Beet zu zupfen, und ich merke, dass ich wohl eher der Fraktion Pinzette angehöre, über die sich unser Gartenfreund Martin letztens lustig gemacht hat. Aber lacht nur! Wenn meine Zottelwicken im makellosen Beet blühen, werdet ihr vor Neid im Boden versinken (nur nicht zu tief – aus Gründen!).
„Mama, darf ich auch Perlen auf das Beet werfen?“, fragt der Zwerg, als ich die ersten Samen verstreue.
Ich habe keine Ahnung, ob man das so macht oder ob man Saatrillen zieht. Im Zweifelsfall aber zieht die Natur auch keine Saatrillen, also schütte ich ein paar Samen in des Kindes kleine Hände.
„Gleichmäßig auf dem Beet verteilen“, sage ich.
Der Zwerg lässt los und sämtliche Samen fallen auf einen Fleck direkt an der Rasenkante.
„Noch mal!“, schreit er.
Er bekommt neue Kügelchen, aber jetzt nehme ich seinen Arm und schüttele ihn so, dass die Samen sich etwas großflächiger verteilen.
„Aua, Mama!“, ruft der Zwerg empört.
Ähem, sorry, Zwerg …
Als genug Samen ausgebracht sind, streue ich noch etwas von der Erde aus unserem Komposter darüber und betrachte mein Werk. Sieht aus wie vorher. SAMSUNG DIGITAL CAMERA

Jetzt heißt es abwarten und die Natur machen lassen. In der Zwischenzeit werde ich die Parzelle von den Unmengen an Laub befreien, die Petrus hier ausgebracht hat.
Als gutes Vereinsmitglied reche ich erst einmal vor der Parzelle, damit sich niemand beklagen kann.

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Danach bilde ich auch auf unserem Rasen diverse Haufen, und weil ich nicht über den Zaun komme, um die Schubkarre der Nachbarn darüber zu heben, muss ich das Laub in den Sammeltaschen zum Kompost schleppen. Der Zwerg saust mit seinem Fahrrad an mir vorbei.
„Mama, warum bist du denn so langsam?“
„Na warte“, murmele ich in mich hinein, „eines Tages bist du stark genug, die Taschen zu tragen, und dann …“
Vorerst aber bin ich die Starke, und so darf ich nach mehreren Schleppgängen dem Zwerg auch noch auf den Apfelbaum helfen. Per Räuberleiter.SAMSUNG DIGITAL CAMERA

Als es dunkel wird, machen wir uns auf den Heimweg. Meine Arme sind gefühlte 20 Zentimeter länger, aber dafür habe ich auch alles geschafft, was ich mir vorgenommen hatte. Das ist zwar noch lange nicht alles ist, was zu tun ist, aber das ignoriere ich jetzt einfach mal!

Eine Portion Zottelwicke

Von wegen Tütchen – was heute im Briefkasten lag, kann definitiv nicht in den Ritzen einer Briefträgertasche verschwinden. Die in der Rechnung als Portion ausgewiesenen Zottelwickensamen wiegen 60 Gramm und rascheln in ihrer Verpackung wie die Piraten-Badeperlen des Zwerges.
SaatgutbestellungGratis obendrauf gab es noch Ringelblumensamen für insgesamt 35 Pflanzen. Die kann man aber erst ab März aussäen.
Die Zottelwicken müssen allerdings bald ins Beet, sonst ist es zu spät. Ein guter Grund, in den Garten zu fahren, denn seit der Heckenschnitt-Aktion sind wir nicht mehr da gewesen. Bin gespannt, was der Herbst aus unserer Parzelle gemacht hat.

Geht ein Samentütchen auf Reisen

Wir haben ja dank meiner beherzten Jätaktionen ziemlich viel blanke Erde im vorderen Beet. Damit das nicht den ganzen Winter so bleibt, möchte ich einen Gründünger aussäen. Diese Pflanzen sind dafür da, mit ihren Wurzeln die Erde zu durchlüften und später als organischer Dünger untergearbeitet zu werden. (Was ich plötzlich alles weiß …)
Im Netz recherchiere ich, dass man jetzt, also Ende September bis Mitte Oktober, die Winterwicke aussäen kann.Lupine Mir fällt kein Ort in meiner Nähe ein, an dem ich so etwas kaufen könnte. Also bestelle ich politisch korrekt bei einem Öko-Saatgut-Versand.

Da ich momentan nichts weiter brauche – oder mir nicht klar ist, was mein Garten dringend braucht –, bestelle ich genau 1 Tütchen Zottelwicke. Da sind die Versandkosten fast dreimal so hoch wie der Kaufpreis. Nun gut, kann man nicht ändern. Mal sehen, wie lange das Tütchen braucht, um hier einzutreffen. Hoffentlich rutscht es nicht in eine Ritze der Briefträgertasche und verschwindet dort für immer. Ich wünsche euch auf jeden Fall eine gute Reise, ihr zukünftigen Zottelwicken.