Baumscheiben in Berlin #7 Rechteck, Spirale und Spitze

Die Gartensaison ist vorbei, endlich habe ich wieder Zeit für den Frisör. Vorm Eingang fällt mir die Baumscheibe auf. Wie sie vorher aussah, weiß ich nicht mehr, aber jetzt hat sich jemand offensichtlich Weiterlesen

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„Komm, wir bauen eine Igel-Höhle“

Der Herbst war bisher ungewöhnlich mild. Daher haben wir das Winterfest-Machen des Gartens immer wieder verschoben. Ich gebe zu: Die Lust auf Garten verringert sich gegen Ende des Jahres massiv, und verdaddelte Wochenenden zu Hause gewinnen an Reiz. Jetzt aber wird es langsam kalt, Zeit also für einen Besuch auf Parzelle.

Die Aufgaben sind klar: rechen, rechen, rechen und dann noch Boiler abbauen, Wasseruhr rausschrauben und Mikrowelle einpacken. Das Rechen übernehmen der Zwerg und ich. Der Zwerg will partout nicht mit seinem Kinderrechen arbeiten, also bekommt er den zweiten großen und kratzt damit unbeholfen auf dem Rasen herum. Dabei kommt er mit dem Stiel meinem Gesicht mehrmals gefährlich nahe. Mein Geschimpfe nutzt leider gar nichts, also positioniere ich mich in der entgegengesetzten Ecke des Gartens. Blöd nur, dass der Zwerg in Gesellschaft rechen will und mir hinterherkommt. Also Planänderung. Ich checke kurz, ob schon genug Laub zusammengekommen ist, und schlage dann vor: „Komm, wir bauen eine Igel-Höhle.“
Das lässt sich Zwerglein natürlich nicht zweimal sagen. Wir tragen die Äste, die ich extra für diesen Zweck seit Wochen gesammelt habe, auf das unbepflanzte Beet. Hier stapeln wir sie so, dass sie ein Gerüst bilden.

Holzstapel im unbedeckten Beet

Ein Gerüst für kiloweise Herbstlaub. Das wir mit der Schubkarre heranfahren und darüberkippen.

Holzstapel zum Teil bedeckt

Man braucht ganz schön viel Laub,

Blätterhaufen von Nahem

bis die Äste gut bedeckt sind.

„Hier können sich die Igel im Winter verstecken, und durch die Blätter haben sie es schön warm“, erkläre ich.
Der Zwerg nickt ehrfürchtig. „Können wir sie uns dann auch mal angucken?“
„Nein, die dürfen nicht gestört werden.“

Ich bin gespannt, ob die Rechnung aufgeht und unsere Igel-Höhle von den Tieren angenommen wird. Zum Abschluss kippe ich die restlichen Blätter auf die freie Beet-Fläche. Mal sehen, was der Winter aus dem Nährstoffangebot macht.

Blätterhaufen mit eingebautem Gerüst

Wir rechen noch die letzten Gartenecken frei und machen uns dann mitsamt den abgebauten Geräten auf den Heimweg.
„Tschüß, Igel-Höhle!“, ruft der Zwerg und winkt dem Blätterhaufen zu. Ich winke auch und freue mich auf meine warme Winter-Höhle in Form des heimischen Wohnzimmers.

 

Frau Mieze Schindler – eine Erdbeere mit Geschmack

Im Winter ist es naturgemäß ruhig und eintönig im Garten. Da kommt die alljährliche Netzwerk-Blogwichtelaktion genau richtig. Denn wenn ich nicht gerade schrebere, arbeite ich mit Texten. Und bin Mitglied im besten Netzwerk der Welt, dem Texttreff. Jedes Jahr vor Weihnachten werfen wir bloggenden Mitglieder unsere URLs in die Lostrommel. Es wird wild gemischt und dann darf jede einen Gastbeitrag für ein Blog schreiben und bekommt von einer dritten Bloggerin einen Beitrag geschenkt.
Dieses Jahr wurde mir Heike Baller zugelost, die mit ihrem Beitrag fruchtig rote Frische in den kargen Januar bringt:

Erdbeeren und Pflanzen

Frau Mieze Schindler – eine Erdbeere mit Geschmack

War es bei Ihnen auch so, dass die Erdbeeren in Opas Garten direkt gepflückt am besten schmeckten? Die aus dem Supermarkt kommen da nicht mit, stimmts? Dass mir da nicht nur meine Erinnerung einen Streich spielte, fiel mir das erste Mal auf, als ich vor x Jahren Erdbeeren in größerer Menge putzte: Anstatt dass sich mit den Kelchblättern auch der weiße Keil im Innern löste, musste ich diesen bei jeder Frucht einzeln rauspulen – oder drin lassen. 😉 Und der mangelnde Geschmack – der ließ sich nicht nur damit erklären, dass sonnenwarme Früchte einfach besser schmecken.

Doch seit einigen Jahren gibt es Abhilfe. Mieze ist zurück. „Mieze Schindler“ heißt eine Erdbeere, die quasi sofort gegessen werden muss: Weich und saftig löst sie sich ohne besagten Keil vom Stiel, um direkt genascht zu werden.
Dass sie so weich ist, war ihr Beinahe-Todesurteil, denn solch empfindliche Früchte lassen sich nicht transportieren oder lagern. Die Züchtung stammt aus den 20er Jahren und trägt den Namen der Gattin des Züchters. Der korrekte Name lautet „Frau Mieze Schindler“, denn es gibt bei dieser Sorte nur weiblich Blüten, so dass eine andere Erdbeere in der Nähe sein muss, um sie zu bestäuben.

Da der Bedarf an Obst nach dem zweiten Weltkrieg rasant anstieg und aus Kostengründen ertragreiche Sorten mit festeren Früchten besser zu verkaufen waren, geriet die Erdbeere aus Pillnitz im Westen in Vergessenheit. In der DDR existierte sie weiter – die Ausläufer des Wurzelstocks bilden neue Pflanzen, so dass mit einem Grundbestand an Pflanzen langjähriger Anbau möglich ist. So wurde sie immer weitergereicht, in den Haus- und Hofgärten gehegt und gepflegt, denn Erdbeeren zu kaufen gab es selten. Inzwischen ist „Mieze Schindler“, wie sie verkürzt genannt wird, bundesweit beliebt und verbreitet – aber eben nur für den Hausgebrauch.

Heike Baller, Rechercheurin, bietet mit Profi-Wissen Dienstleistungen rund ums Recherchieren an: Hintergrund- und Literaturrecherchen, Seminare und Vorträge.

Letzter offizieller Gartentermin

Heute ist es endgültig: das Wasser wird abgestellt. Eine Bekanntmachung im Kolonie-Schaukasten fordert uns auf, die Wasseruhren auszubauen und die Leitungen geöffnet zu halten.
Mit Zwerg, Zwergenfreund und vollgepackter Karre nehmen wir den letzten offiziellen Gartentermin dieses Jahres wahr.

Die Kinder verkrümeln sich direkt in den Sandkasten, der Mann steigt in den Hades hinab, um sekundiert von zahlreichen Nacktschnecken die Wasseruhr auszubauen.
„Wie muss man noch mal drehen?“, schallt es aus dem Schacht.
„Von der Laube weg – zu. Zur Laube hin – auf“, rufe ich hinein.
Bei der Gelegenheit fällt mir auf, dass in der letzten Zeit wohl meistens ich das Wasser auf- oder abgedreht habe. Kein Wunder, dass ich mit den Nacktschnecken per du bin.

Während ich neues Laub vom Rasen harke, werfe ich einen Blick auf die beiden Stellen im Beet, wo ich vor Wochen die Zottelwicken ausgesät habe. An der einen Stelle hat sich Gras breitgemacht, von neuen zarten Pflänzchen nichts zu sehen. Ich frage mich, wieso das Gras ausgerechnet hier wuchert. Ich hatte doch alles doppelt und dreifach gejätet.
Liegt es am Kompost, den ich über die Samen verteilt habe? Aber dann sähe der andere Bereich ebenso grasig aus. Doch der wirkt halbwegs gelungen. Auch hier habe ich zwar mit mehr gerechnet, aber immerhin wächst auf dem Quadratmeter kein Gras. Tatsächlich ragen hie und da grazile Pflänzchen aus dem Boden.

Zottelwicken im Beet

Ob das jetzt den erhofften Gründüngereffekt hat, wird sich herausstellen. Im nächsten Frühjahr.
Bis dahin sollte nicht zu viel Zeug in der Laube bleiben. Wir räumen das Badezimmerschränkchen aus, packen alle Kleidungsstücke, Handtücher und Decken zusammen. Alles Essbare und der Inhalt des Kühlschrankes kommen in die Karre. Die restlichen Keksbestände wandern zum Sandkasten, wo die beiden Krümelmonster den Rest erledigen.

Als es dämmert, ist der Garten winterfest, wir verschließen die Laube. Jetzt freue ich mich auf warme Winterwochenenden zu Hause. Und auf die ein oder andere Stippvisite auf Parzelle. Denn wir kommen wieder – das ist doch klar.