Abrissaktion Tag 1: Ab jetzt wird Krach gemacht

Gartenfreunde, haltet euch die Ohren zu! Ab jetzt wird Krach gemacht auf Parzelle 999!! Habt ihr gehört? KRACH!!!!

Abriss Tag 1b

Wickelt euch feuchte Tücher um Mund und Nase, denn gleich fegt eine Staubwolke durch die Kleingartenkolonie!

Abriss Tag 1d

Die Abrissaktion hat begonnen. Einer reißt Wände ein und legt Drahtgitter frei,

Abriss Tag 1a

der andere macht mit dem Vorschlaghammer den Schuppen zu Kleinstein.

Abriss Tag 1c

Das Ziel ist, den Pool zu entfernen, Erde ins Loch zu schaufeln und Gras über die ganze Sache wachsen zu lassen.
Können wir das schaffen?
Yo, wir schaffen das. 🙂

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Ein Swimmingpool ist keine Boccia-Kugel

Vor fast genau einem Jahr ist uns der Schrebergarten vor die Füße gefallen. Nein, er hat uns förmlich angesprungen.
Wo andere jahrelang auf eine Parzelle warten müssen, konnten wir uns bequem an einem Buffet bedienen: Mehrere Gärten waren frei, wir hatten die Wahl und, weil wir mitten im Winter kamen, auch keine Konkurrenz.
Wo andere zigtausend Euro hinblättern, bekamen wir den top gepflegten Garten samt super gut erhaltener Laube für: Nullkommanichts. Wir unterschrieben den Pachtvetrag, zahlten unserem Vorpächter einen minimalen Abstand für eine komplette Gartenausstattung vom Rasenmäher über den Liegestuhl bis zum Kaffeelöffel und – zogen ein.
„Wo ist der Haken?“, höre ich all die neidischen anderen flüstern.
„Haken?“, frage ich unschuldig. „Was für ein Haken?“

Nun ja, klar gibt es einen Haken. Und der ist nicht aus Metall, sondern aus Beton. Aus viel Beton. Beton in Form eines Schuppens und Beton in Form eines nierenförmigen Swimmingpools.

Swimmingpool

Und all dieser Beton muss weg! Dem Erdboden gleichgemacht werden. Sagt das Bundeskleingartengesetz. Deshalb mussten wir keinen Cent bezahlen, um den Schlüssel zu bekommen. Denn bezahlen werden wir mit dem Schweiß auf unserer Stirne!
Die große Abrissaktion war eigentlich für letzten Herbst geplant. Doch da kam so einiges dazwischen. Dann gab es ein paar zaghafte Terminvorstöße für Januar und Februar, die sich leider schneller erledigt hatten, als man Bundeskleingartengesetz schreiben kann. Aber jetzt naht die große Stunde: Morgen besorgen der Mann und unser Freund Martin Presslufthammer, Stemmeißel, Fäustel und was man sonst noch braucht, um so richtig Rabatz zu machen.

Deshalb haben wir am letzten Wochenende den Schuppen ausgeräumt. Der voll war mit altem Zeug, das Herr Wuttke, unser Vorpächter, im Laufe seines langen Schreber-Lebens dort angesammelt hat. Säckeweise verrostetes Werkzeug, alte Schrauben und poröse Gartenschläuche haben wir rausgeschaufelt, bis die Hütte endlich leer war.

Schuppen

Neben hässlichem Dekokram aus den frühen 1970ern stieß der Zwerg auf ein Plastik-Boccia-Set in schickem Orange.
„Das will ich!“, ruft er.
„Haben“, füge ich hinzu.
„Nein, spielen“, korrigiert er mich und hebt das Ding am Griff hoch.
Knacks, bricht der Griff ab. Das Set fällt auf den Boden und weiteres Plastik splittert durch die Gegend.
„Das Set hat auf jeden Fall die Ölkrise miterlebt.“ Der Mann setzt an, es in einem Müllsack zu versenken.
„Neiiiiiin!“, kreischt der Zwerg. „Ich will mit den Bällen spielen!“
Also bekommt der Zwerg eine Bocciakugel. Er stellt ein paar Kegel auf eine Wegplatte und wirft die Kugel. Kaum hat sie den Boden berührt, zerbricht sie in drei Stücke.

Plastikscherben

„Mein Ball!!!!!“, schreit der Zwerg entsetzt.
Ich puhle eine neue Kugel aus der Röhre. Sie zerbricht schon in meinen Händen.
„Die gehen alle sofort kaputt“, jammert das Zwerglein.
Der Mann seufzt tief: „Hoffentlich geht der Beton auch so leicht kaputt.“

Ich wünsche es der Abrissbrigade sehr. Aber ich fürchte, es wird nicht ganz so einfach. Denn wie hat mal ein weiser Mensch gesagt: „Ein Swimmingpool ist keine Boccia-Kugel.“

Pflanzen: festgemauert – Äpfel: bereitwillig

Die Sache mit den weißen Kernen klärt sich an einem Samstag, als ich mit dem Zwerg vor allem deshalb auf Parzelle fahre, um die Schubkarre unserer Nachbarn klarzumachen. Diese geben nämlich ihren Garten auf und möchten so viel Zeug wie möglich loswerden. Und da uns Claudi den Metallschuppen vor der Nase weggeschnappt hat, wollen wir wenigstens die Schubkarre haben.
Die Sache wird auf Gartenfreunde-Art geklärt: Weil die Nachbarn nicht wissen, ab wann es Nachpächter gibt, brauchen sie die Karre auf unbestimmte Zeit noch selbst. So lange stellen sie sie aber an die Hecke, sodass wir sie nur rüberheben müssen. Ich bedanke mich vielmals ob der Freundlichkeit. Auch der Zwerg bedankt sich – und zwar mit seinem unnachahmlichen Augenaufschlag. Die Nachbarin lächelt verzaubert, behält mein Söhnlein gleich auf ihrer Parzelle und füttert es mit Bonbons.

Das passt mir gut, denn so kann ich mich in Ruhe dem vorderen Beet und seinen diversen Unkräutern widmen. Vor allem diesen langen, schmalen Gewächsen mit dicken Stängeln und vergleichsweise kleinen Blättern, deren Blätter plötzlich gar nicht mehr so klein sind, die aber weiterhin wie festgemauert in der Erden wurzeln.

Unausreißbare Pflanze 1
Martin vermutete bei der letzten Gartenbegehung, es seien Linden. Ich glaub’s ja nicht. Aber wie heißen sie dann?
Probehalber ziehe ich daran. Natürlich tut sich nichts: ——–> festgemauert
Einen halben Meter daneben finde ich noch so ein Duo, nur kleiner. Auch diese beiden lassen sich nicht herausziehen. Ich grabe ein Stück, schneide die Stängel einfach ab und häufe schnell Erde darüber. Hoffentlich wachsen sie nicht nach!
Die beiden großen Burschen muss ich stehen lassen. Da hilft nur eine Säge, schätze ich. Und das lasse ich lieber den Mann machen, ich schwaches Weibchen, ich.
„Maaama, ich hab noch ein Bonbon bekommen!“, ruft der Zwerg zwischendurch übern Zaun.
„Wunderbar“, zwitschere ich zurück und wühle Neuableger der Hecke aus der Erde.
Da muss man ja aufpassen wie ein Luchs, damit nicht alles zuwuchert. Ich habe diese Natur doch ziemlich unterschätzt.

Als der Zwerg mit verklebtem Mund und wahrscheinlich genauso verklebtem Magen rüberkommt, habe ich eine beachtliche Fläche des Beetes freigelegt. Mehr wird mir mein Rücken heute nicht verzeihen. Deshalb beschließe ich, mich dem nächsten Thema zu widmen.
„Wollen wir mal gucken, ob die Äpfel schon reif sind?“
„Au ja!“ Der Zwerg flitzt zum Baum und versucht einen der riesigen grünen Bollen zu erwischen. Leider ist er einen Tick zu klein.

Äpfel grünAlso nehme ich einen Apfel in die Hand und drehe ihn vorsichtig am Stiel. Denn von meiner Freundin Kelly habe ich kürzlich gelernt, dass man nicht reißt und zerrt, sondern die Frucht quasi sanft anfragt, ob sie denn nun genug vom Hängen am Baum habe.
Und was soll ich sagen: Bereitwillig begibt sich der Apfel in die Obhut meiner liebevollen Hand.
„Der ist reif“, konstatiere ich.
„Juhu“, jubelt der Zwerg.
Um auch den letzten Zweifel zu zerstreuen, hole ich ein Messer aus der Laube und schneide den Apfel auf. Mehrere Kerne heben sich tiefschwarz vom weißen Fruchtfleisch ab. Strike!
Ich beiße rein und beschließe schnell, dass diese Sorte wohl eher ein Fall für Kompott und Kuchen ist.
„Zwerg“, sage ich und packe den Rest für zu Hause ein, „morgen gibt’s Apfel-Haselnuss-Muffins.“
Die anderen Äpfel lasse ich am Baum hängen. Wir kommen dann noch mal extra zum Pflücken. Mit einem großen Korb. Und dem Mann.

Letzte Ruhe im Swimmingpool

Es ist Mitte August, Hochsommer. Zumindest sagen das alle seriösen Kalender. Was sie nicht wissen konnten bei Redaktionsschluss: Vor einer Woche ist es plötzlich November geworden. Moment! November … da war doch was …

Oh ja, da war wirklich was. Und zwar die Abnahme. Also sie war nicht, sondern sie wird leider erst sein: Eine Kleingartenvereinpatrouille wird unseren Garten begehen und sich überzeugen, dass wir all die Rückbau- und Rückschnitt-BefehleVorgaben umgesetzt haben. Als da wären:
Schuppen abschlagen, Swimmingpool bis 30 cm unter der Erde entfernen, Hecke im hinteren Garten auf 1,50 m kürzen, illegales Gartentörchen entfernen, Flieder entfernen, Koniferen entfernen, Eiche entfernen … Oh mein Gott! Das müssen wir alles bis November geschafft haben.
Mit eiskalten Fingern wähle ich die Nummer von Martin, einem Freund, der von Beruf Bauingenieur ist. Vielleicht hat er ja Tipps, welche Firma wir mit den Schuppen- und Poolabbrucharbeiten beauftragen können.
„Das gucke ich mir erst mal an“, sagt er. „Vielleicht kann man es ja selbst machen.“
Selbst? Hmm, ich bin skeptisch. Da ist es ja nicht mit Steinchenklopfen getan. Dafür braucht man Werkzeug! Maschinen! Und zwar richtige!
Bagger

Kurz darauf treffen wir uns im Garten. Martin zückt Zollstock, Notizblock und Kugelschreiber. Der Mann und ich heben die Abdeckung vom Pool, um ihm das ganze Betonausmaß zu zeigen. Fach„männisch“ hocken sich die beiden Männer und der Zwerg auf den Poolrand und schauen in den Abgrund.
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„Mama, da liegt was!“, ruft der Zwerg.
Ich trete näher und werfe einen Blick in den Pool, wo wir unser Planschbecken (noch) verstauen, wenn wir es nicht brauchen. Auf dem Boden des Planschbeckens liegt tatsächlich etwas Dunkles. Ich kann nicht genau erkennen, was es ist.
„Das ist eine Maus“, stellt Martin fest.
So ist es. Jetzt erkenne ich mehrere Köttel auf dem Swimmingpoolrand. Und wie Nick Knatterton kombiniere ich: Maus auf Poolrand gehüpft, unter die Abdeckung geschlüpft, Abgrund nicht gesehen, runtergefallen, Genick …Tote Maus im Planschbecken im Pool
Rest in peace, kleines Mäuschen.
Der Mann holt Handschuhe und bettet das Tierchen um. Das Planschbecken werden wir dann wohl demnächst desinfizieren müssen.

Martin geht derweil herum, klopft gegen Wände und lächelt still vor sich hin. „Dafür würde ich keine Firma holen. Viel zu teuer“, sagt er schließlich. „Ich habe einen Kumpel, den rufe ich mal an, und wenn der Zeit hat, dann helfen wir euch.“
Das klingt nicht schlecht. Fachmännische Unterstützung auf dem Steinbruch. Jetzt kann der November kommen! (Also Kalendarisch. Temperaturtechnisch ist er ja schon längst da.)