Wir rechen, wir rechen, wir rechen den ganzen Tag

Als wir auf unsere Parzelle zugehen, traue ich meinen Augen nicht: Das, was ich erst vor Kurzem mühsam freigelegt habe, ist mit einer neuen (und seeeehr dicken) Schicht aus braunem Laub bedeckt. Herbstlaub
Das Gartentörchen lässt sich kaum öffnen, die Blätter ziehen sich bis in den vorderen Garten, der Rasen ist voll davon.Laub im Eingang 2
„Mann“, sage ich sofort, „dafür brauchen wir die Nachbarschubkarre.“
Die gehört ja quasi uns, aber solange die Nachbarn noch nicht ausgezogen sind, müssen sie selbst die Fluten von Laub damit transportieren.
Der Mann steigt über den Zaun und hebt die Karre rüber. Ein Segen, dass das Bundeskleingartengesetz eine Gartenzäunchenmaximalhöhe vorschreibt.
Und dann wird gerecht, was das Zeug hält. Ich verliere beim Schnick-Schnack-Schnuck und muss fortan die Laubladungen zum Kompostplatz schieben. Mein Trost: Jeder Schritt hält fit.

Nach der Kaffeepause hieven wir das immer noch aufgepumpte Planschbecken aus dem immer noch nicht abgebrochenen Pool. Der Mann hat Desinfektionslösung mitgenommen, um den Beckenboden von den Spuren des Mäusedramas zu befreien. Weil es mich schüttelt, fahre ich freiwillig ganz viele Fuhren Laub weg. Und als ich schließlich fertig bin und der Kolonie-Kompostplatz etwa 3 Meter in die Höhe gewachsen ist, haben Mann und Zwerg das Becken desinfiziert, geschrubbt, abgetrocknet und entlüftet.Planschbecken platt Wir rollen es zusammen, stecken es in einen Müllsack und legen es zum Überwintern in die Laube.

Im Gegenzug packen wir alles Ess- und Trinkbare zusammen. Der Zwerg bietet sich an, das restliche Eis aus dem Tiefkühler fachgerecht zu entsorgenEis am Abend, während wir einen letzten Abwasch machen.

Vollbeladen und mit einem vollgefressenen frierenden Zwerg machen wir uns auf den Heimweg. Nächstes Wochenende werden wir noch mal kommen und uns dem Wasserthema widmen.

Och nööööö

Was so hoffnungsvoll begann, scheint doch nicht so einfach zu werden: Unser Freund Martin, der Bauingenieur, kann uns leider nicht bei den Abbrucharbeiten im Garten helfen, da er einen Großauftrag bekommen hat. Und sein Kumpel, der auch mitmachen sollte, hat Prüfungen und steht für körperliche Arbeiten bis Ende Oktober nicht zur Verfügung.
Also alles auf Anfang.
Jetzt fragt der Mann wieder im Freundeskreis herum und versucht, andere Unterstützung zu bekommen. Hoffentlich findet er bald jemanden, der Lust hat, sehr viel Beton einzureißen, mehrere Bäume zu fällen und Schubkarren voller Erde durch die Kleingartenkolonie auf unsere Parzelle zu fahren.Schubkarre vor Erdwall

In den Tiefen des organischen Materials

Der Mann und ich deponieren den Zwerg bei einem seiner Kita-Kumpels, um uns mal länger als fünf Minuten ungestört der Parzellenpflege widmen zu können. Ich würde am liebsten die Rosen beschneiden, aber mein Lieblings-Pragmatiker überzeugt mich, dass es wichtiger ist, die Hecke in der Schmuddelecke hinter der Laube zu kürzen. Diesen Teil des Gartens haben wir bisher sträflich vernächlässigt, daher ist die Hecke mächtig ins Kraut geschossen und überwuchert den Kompostbehälter und die randvolle Regentonne.

Mit Elektro- und Offline-Scheren machen wir uns an die Arbeit und stutzen das grüne Monster gehörig zurecht. Mit jedem Schnipp und Schnapp wird es heller um uns herum, irgendwann lässt sich dann auch der Deckel des Komposters wieder öffnen. Er ist voll von Zweigen, Grasschnitt und anderem organischen Material. Es muss über ein Jahr her sein, dass Herr Wuttke sich darum gekümmert hat.
„Was machen wir denn jetzt mit dem Zeug?“, fragt der Mann.
„Keine Ahnung. Sieht nicht so aus, als würde hier etwas verrotten“, gebe ich zurück.
Kurzerhand holt der Mann einen Spaten aus dem Schuppen und beginnt, das Zeug in die Schubkarre zu schaufeln. Ein Astgeflecht lässt sich nicht so einfach herausziehen, also schneidet der Mann es erst einmal ab. Ich übernehme den Spaten von ihm und schaufele weiter.
Eine Maus wühlt sich ans Tageslicht. Ich mache einen Satz nach hinten.
„Oh mein Gott, da drin lebt es!“
Die Maus springt panisch über den Rand des Komposters und landet in der Regentonne. Im nächsten Augenblick ist nichts mehr von ihr zu sehen. Nur das Wasser schwappt sachte. Jetzt haben wir schon das zweite Mäuseopfer in unserem Garten zu beklagen. 😦

Wesentlich zaghafter grabe ich weiter. Wer weiß, was sonst noch in den Tiefen des organischen Materials verborgen ist. Vorerst krabbeln jedoch nur Asseln und anderes Ohrenkneifergetier aus ihren Verstecken.
Bald erkenne ich, dass wir bei dem Astgeflecht wieder so ein Problem der Marke „Pflanze-steckt-fest-wie-in-Beton“ haben. Mit dem Spaten lassen sich diese Dinger jedenfalls nicht aus dem Komposter schippen.
Wieder muss der Mann ran, und diesmal schafft er es. Er zerrt mehrere Pflanzen samt Wurzelwerk heraus. Das bedeutet, dass die Pflanzen tatschächlich in dieser dunklen Kiste Wurzeln geschlagen haben und gewachsen sind. Ich meine – wie geht das, so ganz ohne Licht und Wasser?
Ich schaufle weiter bis zum Pegelstand untere Hälfte Behälter. Ab hier stoße ich auf so etwas wie richtige Erde.
Die hat Vorpächter Wuttke doch sicherlich nicht selbst eingefüllt. Also muss das schon richtiger Kompost sein. Der scheint sich einfach so gebildet zu haben, obwohl sich niemand um sein Wohl gekümmert hat. Also wirklich, diese Natur! Macht einfach, was sie will, ohne menschliches Zutun …

Ich lasse den vermeintlichen Kompost also im Behälter und fahre das herausgeschaufelte Zeug zum Vereinskompostplatz. Mir ist klar, dass das irgendwie idiotisch ist, aber ich mache es trotzdem.
Nachdem ich dann noch gefühlt hundert Schubkarrenladungen Heckenschnitt abtransportiert habe, wird es Zeit, den Zwerg bei seinem Kumpel abzuholen. Bevor wir fahren, zupfen der Mann und ich noch schnell die reifen Äpfel vom hinteren Baum. Sie sind knallrot und in einem sehr guten Zustand. Da hat die Natur ganze Arbeit geleistet. Völlig ohne unser Zutun. 😉

Äpfel rot 1

Pflanzen: festgemauert – Äpfel: bereitwillig

Die Sache mit den weißen Kernen klärt sich an einem Samstag, als ich mit dem Zwerg vor allem deshalb auf Parzelle fahre, um die Schubkarre unserer Nachbarn klarzumachen. Diese geben nämlich ihren Garten auf und möchten so viel Zeug wie möglich loswerden. Und da uns Claudi den Metallschuppen vor der Nase weggeschnappt hat, wollen wir wenigstens die Schubkarre haben.
Die Sache wird auf Gartenfreunde-Art geklärt: Weil die Nachbarn nicht wissen, ab wann es Nachpächter gibt, brauchen sie die Karre auf unbestimmte Zeit noch selbst. So lange stellen sie sie aber an die Hecke, sodass wir sie nur rüberheben müssen. Ich bedanke mich vielmals ob der Freundlichkeit. Auch der Zwerg bedankt sich – und zwar mit seinem unnachahmlichen Augenaufschlag. Die Nachbarin lächelt verzaubert, behält mein Söhnlein gleich auf ihrer Parzelle und füttert es mit Bonbons.

Das passt mir gut, denn so kann ich mich in Ruhe dem vorderen Beet und seinen diversen Unkräutern widmen. Vor allem diesen langen, schmalen Gewächsen mit dicken Stängeln und vergleichsweise kleinen Blättern, deren Blätter plötzlich gar nicht mehr so klein sind, die aber weiterhin wie festgemauert in der Erden wurzeln.

Unausreißbare Pflanze 1
Martin vermutete bei der letzten Gartenbegehung, es seien Linden. Ich glaub’s ja nicht. Aber wie heißen sie dann?
Probehalber ziehe ich daran. Natürlich tut sich nichts: ——–> festgemauert
Einen halben Meter daneben finde ich noch so ein Duo, nur kleiner. Auch diese beiden lassen sich nicht herausziehen. Ich grabe ein Stück, schneide die Stängel einfach ab und häufe schnell Erde darüber. Hoffentlich wachsen sie nicht nach!
Die beiden großen Burschen muss ich stehen lassen. Da hilft nur eine Säge, schätze ich. Und das lasse ich lieber den Mann machen, ich schwaches Weibchen, ich.
„Maaama, ich hab noch ein Bonbon bekommen!“, ruft der Zwerg zwischendurch übern Zaun.
„Wunderbar“, zwitschere ich zurück und wühle Neuableger der Hecke aus der Erde.
Da muss man ja aufpassen wie ein Luchs, damit nicht alles zuwuchert. Ich habe diese Natur doch ziemlich unterschätzt.

Als der Zwerg mit verklebtem Mund und wahrscheinlich genauso verklebtem Magen rüberkommt, habe ich eine beachtliche Fläche des Beetes freigelegt. Mehr wird mir mein Rücken heute nicht verzeihen. Deshalb beschließe ich, mich dem nächsten Thema zu widmen.
„Wollen wir mal gucken, ob die Äpfel schon reif sind?“
„Au ja!“ Der Zwerg flitzt zum Baum und versucht einen der riesigen grünen Bollen zu erwischen. Leider ist er einen Tick zu klein.

Äpfel grünAlso nehme ich einen Apfel in die Hand und drehe ihn vorsichtig am Stiel. Denn von meiner Freundin Kelly habe ich kürzlich gelernt, dass man nicht reißt und zerrt, sondern die Frucht quasi sanft anfragt, ob sie denn nun genug vom Hängen am Baum habe.
Und was soll ich sagen: Bereitwillig begibt sich der Apfel in die Obhut meiner liebevollen Hand.
„Der ist reif“, konstatiere ich.
„Juhu“, jubelt der Zwerg.
Um auch den letzten Zweifel zu zerstreuen, hole ich ein Messer aus der Laube und schneide den Apfel auf. Mehrere Kerne heben sich tiefschwarz vom weißen Fruchtfleisch ab. Strike!
Ich beiße rein und beschließe schnell, dass diese Sorte wohl eher ein Fall für Kompott und Kuchen ist.
„Zwerg“, sage ich und packe den Rest für zu Hause ein, „morgen gibt’s Apfel-Haselnuss-Muffins.“
Die anderen Äpfel lasse ich am Baum hängen. Wir kommen dann noch mal extra zum Pflücken. Mit einem großen Korb. Und dem Mann.