Rasen mähen und Gräser trimmen

Der Garten grünt und blüht. So langsam kristallisiert sich heraus, was hier alles wächst. Ein paar Reihen Erdbeersträucher, viele, viele Maiglöckchen, Himbeeren (die ich irrtümlich für vergammelt gehalten habe, bis mir jemand sagte, die seien einfach noch nicht fertig) und Rhabarber erkenne ich aus eigener Kraft. Auch wächst mein Blick dafür, was Unkraut ist, proportional zur Höhe des Unkrauts. Ganze Brennnesselbüsche versperren jetzt den Weg zur Wasseruhr.
Man müsste mal radikal durch die Beete gehen und ausdünnen. Nur leider sind wir in der letzten Zeit gar nicht so oft dazu gekommen, in den Garten zu fahren, denn während der Woche hält die Arbeit uns auf Trab, und an den Wochenenden hat es blöderweise meist geregnet. Immerhin mussten wir nicht gießen. Dafür macht ein Gartenfreund den Mann darauf aufmerksam, dass unser Rasen mal gemäht werden müsste. Vor allem das Gras vor unserer Parzelle, das den Kolonieweg säumt. Man hätte sich schon beschwert.
Wissen wir ja, wir wollten schon lange mal den Rasenmäher anwerfen, aber sonntags darf man nicht, und an den anderen Tagen hat es halt immer geregnet. Nun denn, wir disziplinieren uns, und als mittwochs schönes Wetter angesagt ist, fahren wir nach der Arbeit in der Garten.

Der Mann mäht, ich reche – der Zwerg springt in die Häufchen. Kenne ich zwar schon, finde ich aber immer noch nicht so prickelnd.
Und dann: Premiere! Zum ersten Mal in meinem Leben bediene ich einen Rasenmäher. Der Mann steht daneben und erklärt mir, die Hände in die Hüften gestemmt, was ich tun muss. Ist gar nicht so einfach, zu schieben und gleichzeitig das Kabel aus der Schuss-, äh Schnittlinie zu halten. Als ich nicht mehr kann, tausche ich mit dem Mann: Ich drücke ihm den Rasenmäher auf, er gibt mir den Rasentrimmer.
Wunderbar, das ist leicht! Und witzig. Zwei Schnüre drehen sich blitzschnell im Kreis und flitschen alles ab, was ihnen in die Quere kommt.

Ich trimme mich unseren Maschendrahtzaun entlang, bis das Gras plötzlich nicht mehr kürzer wird. Ich drehe den Trimmer um und sehe, dass da keine Schnüre mehr sind.
Kleinlaut schleiche ich zum Mann. „Ich glaube, ich habe das Gerät geschrottet.“
„Nein, hast du nicht.“
„Doch, guck mal.“
Er lächelt mich an: „Nee, das Ding ist nicht kaputt.“
Jetzt werde ich etwas ärgerlich. Ich weiß doch, das die Schnüre ab sind!
Der Mann dreht den Trimmer um, schraubt etwas auf und zieht eine Spule raus.
Aaah, jetzt verstehe ich: Da ist ganz viel Schnur, man muss einfach zwei neue Stücke rausziehen und festmachen. Erleichtert nehme ich das Gerät in Empfang und trimme weiter. Diesmal allerdings lasse ich den Zaun aus, und so bleiben die Schnüre heile und flitschen munter das Gras durch die Gegend.

Als wir schließlich den gesamten Rasen gemäht, getrimmt, gerecht und die Grasberge per Schubkarre auf den Kompost gebracht haben, bin ich völlig groggy.
„Ist das immer so anstrengend?“, stöhne ich.
Der Mann lacht. „Wenn wir regelmäßig mähen, wird es leichter.“
Nun denn, hiermit gelobe ich feierlich, regelmäßig den Rasen zu mähen. Sowohl auf als auch vor der Parzelle. So wahr mir das Wetter helfe (und der Mann ;-)).