Von lau zu rau

Freitag ab eins macht jeder seins. Wenn man noch zwei Stunden draufschlägt, stimmt’s. Um drei mache ich Schluss und hole den Zwerg aus der Kita, um 17 Uhr kommen wir zu dritt im Garten an.
Zuerst montieren wir das brandneue Parzellenschild und eine Fahrradklingel, mit der sich in Zukunft unsere Gäste ankündigen sollen. Unser Gartentörchen bewegt sich jetzt im Spannungsfeld von Shabby Chic und coolem Glanz:SAMSUNG DIGITAL CAMERA
Dann folgt ein kurzer Parzellen-Zustands-Check: Der vordere Rasen ist stellenweise braun, von der Länge aber ok, der hintere fast schon zu lang, dafür aber wesentlich grüner und dichter. Die beiden Sonnenblumen könnten unterschiedlicher nicht sein. Die eine wächst mit dünnem Stiel fast schräg übers Beet, die andere steht aufrecht daneben. Beide haben eher schmale, struppige Blütenblätter.
„Müssen wir wohl anbinden. Die eine zur Rettung, die andere zur Vorsicht“, sage ich und stecke schon mal die Stangen daneben, die bisher ziemlich unmotiviert in den Beeten herumgestanden haben. Bloß Kordel oder sonstiges Bindematerial fehlt. Also drapiere ich die Blätter erst mal so, dass sie die Pflanzen an den Stangen fixieren. Wahrscheinlich aber nur bis zum nächsten starken Wind.Struppige Sonnenblume
Das Beet im vorderen Garten ist weiterhin voller Unkraut. Zwischen einigen Erdbeerpflanzen ragen lange, schmale Gewächse mit dicken Stengeln und vergleichsweise kleinen Blättern nach oben. Ohne Blüten. Keine Ahnung, was das ist, aber Herr Wuttke hat sie garantiert nicht absichtlich mitten in die Erdbeeren gesetzt. Die und das kleinere Fußvolk werde ich mir morgen vorknöpfen. Aber jetzt ist erst mal Geselligkeit angesagt.

Claudi hat Auswärts-Besuch von Karola, einer gemeinsamen Studienfreundin von ihr und dem Mann, plus deren dreijährigen Zwerg Billy. Unser vierjähriger Zwerg freut sich über die Verstärkung und hat schnell raus, dass der Kleinere ihn vorbehaltslos anhimmelt. In Billy hat er den im wahrsten Sinne des Wortes perfekten Wasserträger: Der schleppt auf sein Kommando eine volle Gießkanne nach der anderen durch Claudis Garten. Klaglos.
Das unvermeidliche Grillen in großer Runde findet dann bei uns statt, denn wir haben einen Sandkasten und Buddelzeug, mit dem zwei Zwerge die lange Wartezeit gut überstehen können.
Als die ersten Würstchen fertig sind, ist es bestimmt schon acht, halb neun. Man merkt, dass es nicht mehr lange hell bleiben wird. Die Luft ist kühl mit einem spürbaren Feuchtigkeitsanteil, der mit der Zeit immer größer (und unangenehmer :-/) wird.

Langsam senkt sich die Nacht über die Kolonie und unseren Garten. Der Auswärts-Besuch ist längst ins Taxi Richtung Feriendomizil gestiegen, der Zwerg liegt im Zelt. Für ihn hatte ich ein dünnes, kurzärmliges Schlafanzüglein mitgenommen, wie für die letzte Laubenübernachtung. Stattdessen ist er jetzt eingepackt in einen Schlafsack und die lange Hose sowie die Sweat-Jacke, die ich eigentlich für das mal wieder angekündigte Regenwetter tagsüber vorgesehen hatte.
Ich selbst bin eingepackt in alles Textile, was ich in der Laube finden konnte und habe zusätzlich noch eine Decke um mich gewickelt. Trotzdem fröstelt es mich.
Leise flüstere ich in die Dunkelheit: „Auf Wiedersehen, laue Sommernächte. Da seid ihr nun, raue Sommernächte.“

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Rasen mähen und Gräser trimmen

Der Garten grünt und blüht. So langsam kristallisiert sich heraus, was hier alles wächst. Ein paar Reihen Erdbeersträucher, viele, viele Maiglöckchen, Himbeeren (die ich irrtümlich für vergammelt gehalten habe, bis mir jemand sagte, die seien einfach noch nicht fertig) und Rhabarber erkenne ich aus eigener Kraft. Auch wächst mein Blick dafür, was Unkraut ist, proportional zur Höhe des Unkrauts. Ganze Brennnesselbüsche versperren jetzt den Weg zur Wasseruhr.
Man müsste mal radikal durch die Beete gehen und ausdünnen. Nur leider sind wir in der letzten Zeit gar nicht so oft dazu gekommen, in den Garten zu fahren, denn während der Woche hält die Arbeit uns auf Trab, und an den Wochenenden hat es blöderweise meist geregnet. Immerhin mussten wir nicht gießen. Dafür macht ein Gartenfreund den Mann darauf aufmerksam, dass unser Rasen mal gemäht werden müsste. Vor allem das Gras vor unserer Parzelle, das den Kolonieweg säumt. Man hätte sich schon beschwert.
Wissen wir ja, wir wollten schon lange mal den Rasenmäher anwerfen, aber sonntags darf man nicht, und an den anderen Tagen hat es halt immer geregnet. Nun denn, wir disziplinieren uns, und als mittwochs schönes Wetter angesagt ist, fahren wir nach der Arbeit in der Garten.

Der Mann mäht, ich reche – der Zwerg springt in die Häufchen. Kenne ich zwar schon, finde ich aber immer noch nicht so prickelnd.
Und dann: Premiere! Zum ersten Mal in meinem Leben bediene ich einen Rasenmäher. Der Mann steht daneben und erklärt mir, die Hände in die Hüften gestemmt, was ich tun muss. Ist gar nicht so einfach, zu schieben und gleichzeitig das Kabel aus der Schuss-, äh Schnittlinie zu halten. Als ich nicht mehr kann, tausche ich mit dem Mann: Ich drücke ihm den Rasenmäher auf, er gibt mir den Rasentrimmer.
Wunderbar, das ist leicht! Und witzig. Zwei Schnüre drehen sich blitzschnell im Kreis und flitschen alles ab, was ihnen in die Quere kommt.

Ich trimme mich unseren Maschendrahtzaun entlang, bis das Gras plötzlich nicht mehr kürzer wird. Ich drehe den Trimmer um und sehe, dass da keine Schnüre mehr sind.
Kleinlaut schleiche ich zum Mann. „Ich glaube, ich habe das Gerät geschrottet.“
„Nein, hast du nicht.“
„Doch, guck mal.“
Er lächelt mich an: „Nee, das Ding ist nicht kaputt.“
Jetzt werde ich etwas ärgerlich. Ich weiß doch, das die Schnüre ab sind!
Der Mann dreht den Trimmer um, schraubt etwas auf und zieht eine Spule raus.
Aaah, jetzt verstehe ich: Da ist ganz viel Schnur, man muss einfach zwei neue Stücke rausziehen und festmachen. Erleichtert nehme ich das Gerät in Empfang und trimme weiter. Diesmal allerdings lasse ich den Zaun aus, und so bleiben die Schnüre heile und flitschen munter das Gras durch die Gegend.

Als wir schließlich den gesamten Rasen gemäht, getrimmt, gerecht und die Grasberge per Schubkarre auf den Kompost gebracht haben, bin ich völlig groggy.
„Ist das immer so anstrengend?“, stöhne ich.
Der Mann lacht. „Wenn wir regelmäßig mähen, wird es leichter.“
Nun denn, hiermit gelobe ich feierlich, regelmäßig den Rasen zu mähen. Sowohl auf als auch vor der Parzelle. So wahr mir das Wetter helfe (und der Mann ;-)).