Wir rechen, wir rechen, wir rechen den ganzen Tag

Als wir auf unsere Parzelle zugehen, traue ich meinen Augen nicht: Das, was ich erst vor Kurzem mühsam freigelegt habe, ist mit einer neuen (und seeeehr dicken) Schicht aus braunem Laub bedeckt. Herbstlaub
Das Gartentörchen lässt sich kaum öffnen, die Blätter ziehen sich bis in den vorderen Garten, der Rasen ist voll davon.Laub im Eingang 2
„Mann“, sage ich sofort, „dafür brauchen wir die Nachbarschubkarre.“
Die gehört ja quasi uns, aber solange die Nachbarn noch nicht ausgezogen sind, müssen sie selbst die Fluten von Laub damit transportieren.
Der Mann steigt über den Zaun und hebt die Karre rüber. Ein Segen, dass das Bundeskleingartengesetz eine Gartenzäunchenmaximalhöhe vorschreibt.
Und dann wird gerecht, was das Zeug hält. Ich verliere beim Schnick-Schnack-Schnuck und muss fortan die Laubladungen zum Kompostplatz schieben. Mein Trost: Jeder Schritt hält fit.

Nach der Kaffeepause hieven wir das immer noch aufgepumpte Planschbecken aus dem immer noch nicht abgebrochenen Pool. Der Mann hat Desinfektionslösung mitgenommen, um den Beckenboden von den Spuren des Mäusedramas zu befreien. Weil es mich schüttelt, fahre ich freiwillig ganz viele Fuhren Laub weg. Und als ich schließlich fertig bin und der Kolonie-Kompostplatz etwa 3 Meter in die Höhe gewachsen ist, haben Mann und Zwerg das Becken desinfiziert, geschrubbt, abgetrocknet und entlüftet.Planschbecken platt Wir rollen es zusammen, stecken es in einen Müllsack und legen es zum Überwintern in die Laube.

Im Gegenzug packen wir alles Ess- und Trinkbare zusammen. Der Zwerg bietet sich an, das restliche Eis aus dem Tiefkühler fachgerecht zu entsorgenEis am Abend, während wir einen letzten Abwasch machen.

Vollbeladen und mit einem vollgefressenen frierenden Zwerg machen wir uns auf den Heimweg. Nächstes Wochenende werden wir noch mal kommen und uns dem Wasserthema widmen.

In den Tiefen des organischen Materials

Der Mann und ich deponieren den Zwerg bei einem seiner Kita-Kumpels, um uns mal länger als fünf Minuten ungestört der Parzellenpflege widmen zu können. Ich würde am liebsten die Rosen beschneiden, aber mein Lieblings-Pragmatiker überzeugt mich, dass es wichtiger ist, die Hecke in der Schmuddelecke hinter der Laube zu kürzen. Diesen Teil des Gartens haben wir bisher sträflich vernächlässigt, daher ist die Hecke mächtig ins Kraut geschossen und überwuchert den Kompostbehälter und die randvolle Regentonne.

Mit Elektro- und Offline-Scheren machen wir uns an die Arbeit und stutzen das grüne Monster gehörig zurecht. Mit jedem Schnipp und Schnapp wird es heller um uns herum, irgendwann lässt sich dann auch der Deckel des Komposters wieder öffnen. Er ist voll von Zweigen, Grasschnitt und anderem organischen Material. Es muss über ein Jahr her sein, dass Herr Wuttke sich darum gekümmert hat.
„Was machen wir denn jetzt mit dem Zeug?“, fragt der Mann.
„Keine Ahnung. Sieht nicht so aus, als würde hier etwas verrotten“, gebe ich zurück.
Kurzerhand holt der Mann einen Spaten aus dem Schuppen und beginnt, das Zeug in die Schubkarre zu schaufeln. Ein Astgeflecht lässt sich nicht so einfach herausziehen, also schneidet der Mann es erst einmal ab. Ich übernehme den Spaten von ihm und schaufele weiter.
Eine Maus wühlt sich ans Tageslicht. Ich mache einen Satz nach hinten.
„Oh mein Gott, da drin lebt es!“
Die Maus springt panisch über den Rand des Komposters und landet in der Regentonne. Im nächsten Augenblick ist nichts mehr von ihr zu sehen. Nur das Wasser schwappt sachte. Jetzt haben wir schon das zweite Mäuseopfer in unserem Garten zu beklagen. 😦

Wesentlich zaghafter grabe ich weiter. Wer weiß, was sonst noch in den Tiefen des organischen Materials verborgen ist. Vorerst krabbeln jedoch nur Asseln und anderes Ohrenkneifergetier aus ihren Verstecken.
Bald erkenne ich, dass wir bei dem Astgeflecht wieder so ein Problem der Marke „Pflanze-steckt-fest-wie-in-Beton“ haben. Mit dem Spaten lassen sich diese Dinger jedenfalls nicht aus dem Komposter schippen.
Wieder muss der Mann ran, und diesmal schafft er es. Er zerrt mehrere Pflanzen samt Wurzelwerk heraus. Das bedeutet, dass die Pflanzen tatschächlich in dieser dunklen Kiste Wurzeln geschlagen haben und gewachsen sind. Ich meine – wie geht das, so ganz ohne Licht und Wasser?
Ich schaufle weiter bis zum Pegelstand untere Hälfte Behälter. Ab hier stoße ich auf so etwas wie richtige Erde.
Die hat Vorpächter Wuttke doch sicherlich nicht selbst eingefüllt. Also muss das schon richtiger Kompost sein. Der scheint sich einfach so gebildet zu haben, obwohl sich niemand um sein Wohl gekümmert hat. Also wirklich, diese Natur! Macht einfach, was sie will, ohne menschliches Zutun …

Ich lasse den vermeintlichen Kompost also im Behälter und fahre das herausgeschaufelte Zeug zum Vereinskompostplatz. Mir ist klar, dass das irgendwie idiotisch ist, aber ich mache es trotzdem.
Nachdem ich dann noch gefühlt hundert Schubkarrenladungen Heckenschnitt abtransportiert habe, wird es Zeit, den Zwerg bei seinem Kumpel abzuholen. Bevor wir fahren, zupfen der Mann und ich noch schnell die reifen Äpfel vom hinteren Baum. Sie sind knallrot und in einem sehr guten Zustand. Da hat die Natur ganze Arbeit geleistet. Völlig ohne unser Zutun. 😉

Äpfel rot 1

Letzte Ruhe im Swimmingpool

Es ist Mitte August, Hochsommer. Zumindest sagen das alle seriösen Kalender. Was sie nicht wissen konnten bei Redaktionsschluss: Vor einer Woche ist es plötzlich November geworden. Moment! November … da war doch was …

Oh ja, da war wirklich was. Und zwar die Abnahme. Also sie war nicht, sondern sie wird leider erst sein: Eine Kleingartenvereinpatrouille wird unseren Garten begehen und sich überzeugen, dass wir all die Rückbau- und Rückschnitt-BefehleVorgaben umgesetzt haben. Als da wären:
Schuppen abschlagen, Swimmingpool bis 30 cm unter der Erde entfernen, Hecke im hinteren Garten auf 1,50 m kürzen, illegales Gartentörchen entfernen, Flieder entfernen, Koniferen entfernen, Eiche entfernen … Oh mein Gott! Das müssen wir alles bis November geschafft haben.
Mit eiskalten Fingern wähle ich die Nummer von Martin, einem Freund, der von Beruf Bauingenieur ist. Vielleicht hat er ja Tipps, welche Firma wir mit den Schuppen- und Poolabbrucharbeiten beauftragen können.
„Das gucke ich mir erst mal an“, sagt er. „Vielleicht kann man es ja selbst machen.“
Selbst? Hmm, ich bin skeptisch. Da ist es ja nicht mit Steinchenklopfen getan. Dafür braucht man Werkzeug! Maschinen! Und zwar richtige!
Bagger

Kurz darauf treffen wir uns im Garten. Martin zückt Zollstock, Notizblock und Kugelschreiber. Der Mann und ich heben die Abdeckung vom Pool, um ihm das ganze Betonausmaß zu zeigen. Fach„männisch“ hocken sich die beiden Männer und der Zwerg auf den Poolrand und schauen in den Abgrund.
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„Mama, da liegt was!“, ruft der Zwerg.
Ich trete näher und werfe einen Blick in den Pool, wo wir unser Planschbecken (noch) verstauen, wenn wir es nicht brauchen. Auf dem Boden des Planschbeckens liegt tatsächlich etwas Dunkles. Ich kann nicht genau erkennen, was es ist.
„Das ist eine Maus“, stellt Martin fest.
So ist es. Jetzt erkenne ich mehrere Köttel auf dem Swimmingpoolrand. Und wie Nick Knatterton kombiniere ich: Maus auf Poolrand gehüpft, unter die Abdeckung geschlüpft, Abgrund nicht gesehen, runtergefallen, Genick …Tote Maus im Planschbecken im Pool
Rest in peace, kleines Mäuschen.
Der Mann holt Handschuhe und bettet das Tierchen um. Das Planschbecken werden wir dann wohl demnächst desinfizieren müssen.

Martin geht derweil herum, klopft gegen Wände und lächelt still vor sich hin. „Dafür würde ich keine Firma holen. Viel zu teuer“, sagt er schließlich. „Ich habe einen Kumpel, den rufe ich mal an, und wenn der Zeit hat, dann helfen wir euch.“
Das klingt nicht schlecht. Fachmännische Unterstützung auf dem Steinbruch. Jetzt kann der November kommen! (Also Kalendarisch. Temperaturtechnisch ist er ja schon längst da.)