Bombige Beats, Zuckerschock und das Prinzip von Verlosung und Glück

„Gastkinder fünf Euro, Koloniekinder umsonst“, sagt die Vermietungsfrau und reicht uns zwei Karten mit Bändchen zum Umhängen.
Heute ist Kinderfest in unserer Kolonie. Seit Tagen spricht der Zwerg von nichts anderem mehr, er hat seine Kitafreundin Lili eingeladen und drückt ihr jetzt ihre Spielekarte in die Hand.
„Ich bin Koloniekind, du leider nicht“, erklärt er ihr mit stolzgeschwellter Brust. „Aber du darfst trotzdem mitmachen.“
Der Mann schiebt Dienst an der Hüpfburg. Eine Stunde lang ist er dafür zuständig, den steten Kinderstrom zu kanalisieren und folgendes Mantra herunterzubeten: „Nur fünf Kinder gleichzeitig. Schuhe ausziehen. Die Eltern müssen immer dabeistehen.“
Ich kaufe Bons, damit sich die Kinder Zuckerwatte holen können. Als der Mann seinen Hüpfdienst quittiert hat, setzen wir uns zusammen mit Lilis Vater an eine Biertisch-Garnitur und konsumieren Kaffee, Kuchen, Bier, Apfelschorle und Mineralwasser.
Es könnte richtig gemütlich sein. Aber leider produziert der DJ eine Musikuntermalung mit technoisierten Kinderliedern im Dezibelbereich eines Presslufthammers. Den Zwerg und Lili stört das nicht. „Pipi Langstrumpf!“ rufen sie, oder „Die kleine Wanze!“ und singen euphorisch mit.
In der Ferne laufen zwei als Star-Wars-Krieger verkleidete Menschen herum. Der Zwerg starrt sie mit offenem Mund an. Man kann sich mit ihnen fotografieren lassen – kostet nur einen Bon. Wir gehen nach vorn, doch als es ernst wird, senkt das Zwerglein verschämt den Kopf und wird ganz still. Sind wohl doch zu unheimlich, die beiden Gestalten.
Interessanter ist da schon die Tombola. Ein Los einen Bon. Die Auslosung findet jede Stunde statt und folgt einer komplizierten Regel, die wir Erwachsenen auch erst nach dem vierten Nachfragen begreifen. Wir stecken unsere Lose ein.
„Und was bekommen wir jetzt?“, fragt Lili?
Wir erklären ihr das Prinzip von Verlosung und Glück. Sie beginnt zu weinen. Wieder etwas gelernt im jungen Leben …

Als die Zwerge vom Zuckerschock (Zuckerwatte, Eis, Caprisonne, diverse Süßigkeitengewinne) niedergestreckt werden, ist es Zeit für Lili und ihren Vater, nach Hause zu fahren. Begleitet von bombigen Beats bringen wir sie zum Tor. Das Gastkind steigt ins Auto, das Koloniekind winkt zum Abschied. Im Technotakt.