The one and only Himbeere

Himbeeren sind mit das Köstlichste, was die Beeren-Welt zu bieten hat. In meinem ersten Gartensommer (also letztes Jahr) habe ich die meisten Himbeeren verpasst. Das sollte mir dieses Jahr nicht so gehen. Einen ganzen Korb voll wollte ich ernten. Aber wie es mit guten Vorsätzen oft ist – zur Zeit der Reife waren wir überall, nur nicht im Garten.
Fazit: ein Strauch voller Himbeeren, bloß leider alle vertrocknet. :-/

Doch dann, als ich schon gar nicht mehr damit rechne, betrete ich den Garten und sie springt mir förmlich ins Auge: die Eine!

Reife Himbeere am Strauch
Die Eine, die sich für mich aufgespart hat. Knallrot hängt sie da, neben ihrer verschmähten violetten Schwester. Eine Himbeere, unversehrt und in voller Pracht.
Ich zupfe sie vom Strauch und bette sie in die Mulde meiner rechten Hand. Was soll ich nun mit ihr machen? Etwa aufessen? Nein, das bringe ich nicht fertig.
Ich trage sie vorsichtig nach hinten und suche eine ihr würdige Unterlage. Also, so würdig, wie es die Ausstattung meiner Laube hergibt. Ein golddurchwirktes Brokat-Kissen ist es leider nicht, aber was ich finde, geht mit etwas Phantasie als Bleikristall-Schale durch.

Einzelne rote Himbeere auf einem Glasschälchen liegend

Da liegt sie nun, inmitten eines geschliffenen Strahlenkranzes. Die Himbeere, der Solitär meines Gartensommers. Fruchtgewordene süße Kostbarkeit …
Der Zwerg biegt um die Ecke. „Mama, was hast du da?“
„Eine – nein, die Himbeere dieses Sommers, mein Kind.“
„Darf ich sie essen?“
Essen? Meine Himbeer-Schönheit? Einfach so?

Ich werfe einen Blick auf den Strauch und die vielen vertrockneten Schwestern meines Prachtstücks. Die niemand gegessen hat. Schön sind sie nicht mehr.
„Hier“, ich reiche dem Zwerg das Schälchen, „lass sie dir schmecken.“