Unkraut im Beet, Chaos im Kopf

Nach meinem Arbeitseinsatz am Vereinszelt geht es auf Parzelle munter weiter. Bis das Vergnügen (=Sommerfest) beginnt, gibt es noch einiges zu tun. Der Mann schneidet die Hecken, ich will das wild wuchernde Unkraut drastisch minimieren.

Doch es ist wie verhext: kaum lasse ich mich in einer Ecke nieder, um das Unkraut zu bekämpfen, ruft der Mann. Ich gehe los, lege meine Geräte an einen gut sichtbaren Ort

Gartengeräte Rosenschere, Harke, Besen

und schaue nach, was der Mann braucht.
Er steht auf der Leiter. Mal ist ihm das Kabel aus der Heckenschere geflutscht, mal bittet er mich zu beurteilen, ob die Schnittlinie gerade ist. Ein andermal soll ich die Leiter festhalten, die in der weichen Erde versinkt und in bedrohliche Schieflage geraten ist.
Wenn mein jweiliger Hilfseinsatz vorbei ist, versuche ich mich zu erinnern, was ich gerade machen wollte.
Ach ja, das Unkraut im vorderen Beet ausbuddeln. Aber wieso liegen die Geräte nicht da?
Ach ja, weil ich eigentlich die verblühten Rosen abschneiden wollte. Aber wo ist die Rosenschere?
Ach ja, die liegt auf der anderen Seite bei der anderen Rose.
Ein ums andere Mal …

fange ich eine Arbeit an,
helfe dem Mann,
suche meine Geräte,
bemerke dabei eine weitere Unkraut-Baustelle,
gehe dorthin,
folge dem Ruf des Mannes,
gebe dem Zwerg etwas zu trinken,
fahre eine Schubkarre mit Heckenschnitt zum Kompost,
frage mich, wo das Unkraut ist, dass ich eben noch gesehen hatte und jetzt nicht mehr wiederfinde,
schnippele, rupfe, zupfe, buddele,
folge dem Ruf des Mannes,
suche das Schäufelchen …

So vergeht der Tag mit Kopf-Chaos. Die Hecken sehen wieder manierlich aus, die Beete leider nicht ganz so. Aber das ist jetzt auch egal, denn in einer halben Stunde sind wir mit Martin, Claudi und einem Freund der beiden verabredet, der schon einmal mit ihnen auf den Kolonie-Sommerfest war. Und es anscheinend ganz gut fand.
Wir springen unter die Gartendusche, ziehen uns manierliche Kleidung an und sammeln den Zwerg auf Claudis Terrasse ein, wo er mit eisverschmierter Schnute glücklich herumspringt. Zu sechst machen wir uns auf zum großen Fest …

Fortsetzung folgt, in der ihr richtig eins auf die Ohren kriegt. 🙂

In den Tiefen des organischen Materials

Der Mann und ich deponieren den Zwerg bei einem seiner Kita-Kumpels, um uns mal länger als fünf Minuten ungestört der Parzellenpflege widmen zu können. Ich würde am liebsten die Rosen beschneiden, aber mein Lieblings-Pragmatiker überzeugt mich, dass es wichtiger ist, die Hecke in der Schmuddelecke hinter der Laube zu kürzen. Diesen Teil des Gartens haben wir bisher sträflich vernächlässigt, daher ist die Hecke mächtig ins Kraut geschossen und überwuchert den Kompostbehälter und die randvolle Regentonne.

Mit Elektro- und Offline-Scheren machen wir uns an die Arbeit und stutzen das grüne Monster gehörig zurecht. Mit jedem Schnipp und Schnapp wird es heller um uns herum, irgendwann lässt sich dann auch der Deckel des Komposters wieder öffnen. Er ist voll von Zweigen, Grasschnitt und anderem organischen Material. Es muss über ein Jahr her sein, dass Herr Wuttke sich darum gekümmert hat.
„Was machen wir denn jetzt mit dem Zeug?“, fragt der Mann.
„Keine Ahnung. Sieht nicht so aus, als würde hier etwas verrotten“, gebe ich zurück.
Kurzerhand holt der Mann einen Spaten aus dem Schuppen und beginnt, das Zeug in die Schubkarre zu schaufeln. Ein Astgeflecht lässt sich nicht so einfach herausziehen, also schneidet der Mann es erst einmal ab. Ich übernehme den Spaten von ihm und schaufele weiter.
Eine Maus wühlt sich ans Tageslicht. Ich mache einen Satz nach hinten.
„Oh mein Gott, da drin lebt es!“
Die Maus springt panisch über den Rand des Komposters und landet in der Regentonne. Im nächsten Augenblick ist nichts mehr von ihr zu sehen. Nur das Wasser schwappt sachte. Jetzt haben wir schon das zweite Mäuseopfer in unserem Garten zu beklagen. 😦

Wesentlich zaghafter grabe ich weiter. Wer weiß, was sonst noch in den Tiefen des organischen Materials verborgen ist. Vorerst krabbeln jedoch nur Asseln und anderes Ohrenkneifergetier aus ihren Verstecken.
Bald erkenne ich, dass wir bei dem Astgeflecht wieder so ein Problem der Marke „Pflanze-steckt-fest-wie-in-Beton“ haben. Mit dem Spaten lassen sich diese Dinger jedenfalls nicht aus dem Komposter schippen.
Wieder muss der Mann ran, und diesmal schafft er es. Er zerrt mehrere Pflanzen samt Wurzelwerk heraus. Das bedeutet, dass die Pflanzen tatschächlich in dieser dunklen Kiste Wurzeln geschlagen haben und gewachsen sind. Ich meine – wie geht das, so ganz ohne Licht und Wasser?
Ich schaufle weiter bis zum Pegelstand untere Hälfte Behälter. Ab hier stoße ich auf so etwas wie richtige Erde.
Die hat Vorpächter Wuttke doch sicherlich nicht selbst eingefüllt. Also muss das schon richtiger Kompost sein. Der scheint sich einfach so gebildet zu haben, obwohl sich niemand um sein Wohl gekümmert hat. Also wirklich, diese Natur! Macht einfach, was sie will, ohne menschliches Zutun …

Ich lasse den vermeintlichen Kompost also im Behälter und fahre das herausgeschaufelte Zeug zum Vereinskompostplatz. Mir ist klar, dass das irgendwie idiotisch ist, aber ich mache es trotzdem.
Nachdem ich dann noch gefühlt hundert Schubkarrenladungen Heckenschnitt abtransportiert habe, wird es Zeit, den Zwerg bei seinem Kumpel abzuholen. Bevor wir fahren, zupfen der Mann und ich noch schnell die reifen Äpfel vom hinteren Baum. Sie sind knallrot und in einem sehr guten Zustand. Da hat die Natur ganze Arbeit geleistet. Völlig ohne unser Zutun. 😉

Äpfel rot 1

Pflanzen bestimmen à la Dummie

Ein weiterer blinder Gartenfleck wurde erleuchtet (oder so ähnlich): Die Pflanze mit den wunderschönen violett-rosa Blüten in der Ecke neben der Hecke ist ein Hibiskus.

Hibiskusblüte
Wie ich drauf kam? Nachdem ich hier über Malventee geschrieben hatte, googelte ich Malventee. Und las, dass er aus getrockneten Hibiskusblüten gemacht wird. Das konnte dann auch die Garten-Dummie-Frau zuordnen. 😉

Premiere: Übernachten in der Laube (Teil 2)

Kühle Morgenluft weht durch die geöffnete Laubentür. Es ist sieben Uhr. Die Vögel zwitschern. Ich schäle mich aus dem Schlafsack und trete nach draußen.
Sagte ich schon, dass die Luft kühl ist? Ich atme tief ein und laufe barfuß über die taunasse Wiese. Die Rankepflanze hinterm Haus, die tagsüber in der Hitze ihre Blätter hängenlässt und deren Blüten bisher immer geschlossen waren, sieht plötzlich so lebendig aus.
Kein Wunder. Ich habe mal gegoogelt, um herauszufinden, wie sie heißt. Wenn ich mich nicht täusche, handelt es sich um Ipomoea purpurea, die bunte Prunkwinde (Zierwinde). Laut Internet öffnet sie ihre Blüten nur vormittags. Ein weiterer guter Grund, im Garten zu übernachten.

Ich genieße eine Weile den hübschen Anblick, dann schmeiße ich die Kaffeemaschine an, wische die Feuchtigkeit von den Möbeln und decke den Frühstückstisch auf dem Laubenvorplatz der Terrasse.
Vorsichtig luge ich um die Ecke. Aus dem Zelt ertönen gleichmäßige Atemzüge in unterschiedlichen Tonlagen. Sollen die beiden ruhig noch eine Runde schlafen, während ich diesen wunderbaren Morgen mit einer Tasse Kaffee genieße …

Mann und Zwerg biegen um die Ecke.
„Ich glaube, ich werde gleich mal die Hecken schneiden!“
„Mama, mir ist eine Ameise über das Gesicht gekrabbelt, aber ich habe sie einfach zerquetscht!“
Der Mann gießt sich einen Kaffee ein, der Zwerg klettert auf meinen Schoß und hält mir etwas Schwarzes unter die Nase. Sehe ich da etwa noch ein Beinchen zucken?
„Die arme Ameise“, sage ich. „Du hättest sie einfach wegwischen und weiterleben lassen sollen.“
„Ha!!“, schreit der Zwerg und springt ab. „Ich bin ein großer Kämpfer, und die Ameise hat mich angegriffen!“
Ich halte ihm einen Vortrag über Lebewesen und Friedfertigkeit und darüber, wie wichtig die Insekten für unseren Garten sind. Der Mann grinst sich eins ob des hehren Versuches, der Zwerg schaut mich an und nickt abwesend. Dann jagt er einer Kellerassel hinterher. Hat wohl was mit Testosteron zu tun.
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Als die Mittagssonne sengend am Himmel steht und die Blüten der Prunkwinde längst geschlossen sind,

  • hat der Mann die Hecken geschnitten und dabei einen neuen Nachbarn kennengelernt, der ihm gleich ein Monstrum von Heckenschere rübergereicht hat. (Merkwürdig, dass so etwas nicht in unserem Schuppen liegt. Herr Wuttke hatte doch sonst die volle Ausstattung.)
  • habe ich endlich sämtliche Verblühten abgeknipst, den Brennesselbusch vor dem Wasserschacht als Zitronenmelisse enttarnt (leider völlig verblühte Zitronenmelisse, mit der man nun nichts mehr anfangen kann. Ich lasse sie trotzdem stehen. Brennt ja nicht) und 0,005 Prozent des Unkrautgesamtaufkommens eliminiert. Immerhin ein Anfang.
  • haben wir das Zelt abgebaut und wieder eingepackt, den Swimmingpool gefüllt und die Gartendusche aufgestellt.
  • ist meine Freundin Clementine eingetroffen, die einen geruhsamen Tag auf Parzelle mit uns verbringen will.
  • habe ich den Schrank in der Laube ausgemistet und einen Blaumann und Gummistiefel von Herrn Wuttke, die keinem von uns passen, für Bert zurückgelegt.
  • hat Bert seine Schubkarre, die er uns geliehen hat, abgeholt und den schlappen Blaumann gleich mit.

Schlapper BlaumannAb jetzt heißt es im Badeanzug ’rumlaufen, alle dreißig Minuten eine Dusche nehmen und ab und zu mal einen Satz sagen. Der Zwerg flitzt immer wieder rüber zu Claudi, Bert und Martin. Bis sie irgendwann ihr Gartentörchen abschließen, um Siesta halten zu können. Wir vermuten, dass es eine lange Siesta wird.

Später kommen weitere Freunde mit dreijähriger Zwergin, die den Garten zum ersten Mal sehen. Wir grillen, die Zwerge spielen im Wasser und entdecken am Ende ein Vogeljunges, das im Rohr unter einem der Hydranten hockt. Es wird vorsichtig herausgehoben und auf den Rasen gesetzt.
„Wo ist denn seine Mama?“, fragen die Zwerge fassungslos.
„Die kommt bestimmt gleich und holt es“, sage ich.
Die beiden schauen in den Himmel. Zwei Vögel fliegen nebeneinander her.
„Da, guck, das sind seine Eltern“, ruft die kleine Zwergin.
Der Zwerg nickt: „Die warten, bis wir weg sind. Vögel sind nämlich scheu.“
Wir Erwachsenen nicken ebenfalls und hoffen, dass das Vögelchen bei unserem nächsten Gartenbesuch tatsächlich weg ist.
Die Zwerge drängen zum Aufbruch („Damit das Vogelkind nicht so lange auf seine Mama und seinen Papa warten muss.“), wir packen den Anhänger voll und schieben ab. Der Zwerg winkt über den Gartenzaun in Richtung Laube.
„Tschüß Garten! Viel Glück, Vogelkind!“

Premiere: Übernachten in der Laube (Teil 1)

Unser Schrebergarten-Fahrradanhänger ächzt unter der Last, die in seinem Inneren steckt. Vollgestopft mit Wäsche, Handtüchern, Essbarem, Schlafsäcken, Spielzeug rumpelt er aus der S-Bahn und über den Fußweg bis zum Garten. Denn – tadaaaa: Wir werden dieses Wochenende das erste Mal in der Laube übernachten!
Die steht zwar immer noch voller Gerümpel, sodass man die Schlafcouch, die Claudi uns überlassen hat, nicht ausziehen kann. Aber der Mann weiß Rat: Er und der Zwerg schlafen im Zelt. Das haben wir vor Monaten extra für den Garten angeschafft.

Nachdem die Fensterverschläge entfernt, das Wasser angestellt und der Boiler eingeschaltet ist, der Ampelsonnenschirm angebracht wurde, sämtliche Tische, Stühle, Liegestühle aus der Laube geschafft und an ihren Platz gewuchtet sowie die Einkäufe im Kühlschrank verstaut wurden und eine Riesenkanne Apfelschorle angesetzt ist – kann der gemütliche Teil losgehen. Erst mal etwas kochen. Nudeln mit Soße sind geplant.

Leider funktioniert der Gaszulauf zum Gasherd ja nicht. Aber steht nicht hinten im Wundertüten-Schuppen eine Kochplatte? Ich krame im Regal und ziehe eine alte Emaille-ummantelte Einzelplatte nebst Kabel hervor. Generationen von Staubpartikeln haben sich darauf festgesetzt. Flugs abgewischt, auf die Herdabdeckung gestellt und angeschmissen. Es dauert ewig, bis das Wasser sich erhitzt. Nicht so die Kochplattenummantelung. Die ist nach kürzester Zeit so heiß, dass die Luft vibriert. Kann also auch nur eine Notlösung sein, diese Platte.

Schon bald ist es draußen heißer als in der Laubenküche. Nach dem Mittagessen lasse ich wieder einmal meine Blicke schweifen: Die Rosenstöcke sind voller Verblühten*, der Brennesselbusch vor dem Wasserschacht ist mittlerweile riesig. Der niemals abgeerntete Rhabarber hat schlappe, durchlöcherte Blätter und Stängel, die so hart sind wie Holz. Auch die diversen Hecken sind mittlerweile so hoch geschossen, dass es schon peinlich ist. Es gibt also genug zu tun. Aber an Gartenarbeit ist nicht zu denken. Vieeeel zu heiß!
*verblühte Blüten

Ich ziehe meinen Badeanzug an und steige zum Zwerg ins Planschbecken. Hier lässt es sich aushalten und mit den Wasserspritz-Dingern, die der Mann gestern noch im Ein-Euro-Laden besorgt hat, ein Wettspritzen veranstalten. Wer schafft es, den Nachbarapfelbaum zu treffen? Ich hätte nie gedacht, dass Wasserspritz-Dinger so viel Spaß machen. Meinen persönlichen Triumph feiere ich, als ich das Nachbarlaubendach treffe. Wenn die wüssten, was wir in ihrer Abwesenheit so treiben. 😉

„Wir müssen das Zelt aufbauen“, unterbricht der Mann meine Wettkampfambitionen.
„Och Möönsch“, nörgeln der Zwerg und ich unisono.
Aber der Mann bleibt unerbittlich und bald schon verheddern wir uns in Schnüren, Teleskopstäben und Innenzelt-Schichten.
Der Zwerg tanzt um uns herum wie Rumpelstilzchen ums Feuer. Er hat noch nie ein Zelt von Nahem gesehen und erstarrt vor Ehrfurcht, als es schließlich in all seiner Pracht auf der Wiese steht.
ZeltLange hält diese Starre allerdings nicht an. Er schlüpft hinein und macht sämtliche Reißverschlüsse auf und zu. Auf und zu. Auf und zu …
Die nächste Stunde hören und sehen wir nichts von ihm. Das Zelt hat ihn völlig in seinen Bann geschlagen. Mit schweißverklebten Haaren hockt er darin und macht die Reißverschlüsse – Ihr wisst schon.Vier BeineZum Ausklange eines heißen Tages kommen Claudi, Bert und ihr Gartenkumpan Martin zum Grillen vorbei. Die Aussicht, dass wir nicht zu später Stunde alles dichtmachen, zusammenpacken und dann noch nach Hause gurken müssen, entspannt mich durch und durch.
Irgendwann schnarcht der Zwerg im Zelt, wir Erwachsenen sprühen uns mit Anti-Mücken-Mittel ein und hören den Fröschen in Nachbars Teich beim Quaken zu. Als wir müde werden, gehen Claudi und Bert in ihren Garten, der Mann krabbelt ins Zelt und ich lege mich in die Laube. Die Pappeln rauschen im Wind, die S-Bahn rauscht auf den Gleisen und ich schlafe ein.

Garten und Mama forever

Wetter: durchwachsen. Regenschauer am Morgen, vor dem Mittag, während des Essens. Dabei müssen wir heute dringend im Garten nach dem Rechten sehen und haben uns mit Freunden verabredet, die schon ganz neugierig auf die Parzelle sind.
Ich packe Gummistiefel ein. Sie sind zwar schick lila, haben aber leider ein Volumen, als wären sie für einen niedersächsischen Schweinebauern gefertigt. Es ist kein modischer Vorteil, mit Schuhgröße 42 durch die Welt zu gehen …Lila GummistiefelAußerdem stecke ich noch die Handtücher, die ich nach dem feuchtfröhlichen Pfingstwochenende zu Hause gewaschen habe, in die Tasche und nehme die Sonnenblumenpflänzchen mit. Der Mann steckt Wasserflaschen und eine ganze Melone in seinen Rucksack. Gebeugt unter unserem Gepäck begeben wir uns zum Garten. Die S-Bahn hat Verspätung. Manchmal hätte ich doch gern ein Auto, in das ich bequem einsteigen und dann einfach losfahren könnte.

Als wir ankommen, ist die Fron vergessen. Der Himmel hat aufgeklart, die Sonne zeigt sich, es wird regelrecht heiß. Wie gut, dass ich einen Strohhut in der Laube deponiert habe. Geschützt mache ich mich an die Arbeit. Die verblühten Rosen müssen abgeknipst und das Unkraut im Rosenbeet muss entfernt werden, damit ich die Sonnenblumen dort einpflanzen kann.
Das Handy klingelt. Unsere Freunde stehen vor dem Kolonietor und begehren Einlass. Ich latsche mit Zwerg und Durchsteckschlüssel, dessen Prinzip ich immer noch nicht so recht verstanden habe, nach vorn und lasse sie rein. Die beiden Jungs (zwei und sechs) flitzen in Gummistiefeln von etwas dezenterer Passform vor mir her. Der Zwerg weist ihnen stolz den Weg zu unserer Parzelle.
Wie nicht anders zu erwarten, sind unsere Freunde vom Garten begeistert. Innerhalb von Sekunden annektieren sie sämtliche Scheren und Handschuhe und scharren mit den Hufen. Der Mann und ich lassen sie auf die Hecke los. Die muss tatsächlich mal ein bisschen zurechtgestutzt werden. Ich weiß zwar nicht, welche Heckenart wir da haben und ob man die zurzeit schneiden darf, aber das ist jetzt auch egal. Bald ist der Rasen übersät mit langen Zweigen.
Der Sechsjährige hat ein Forscherset mitgebracht, gemeinsam sammeln er und der Zwerg Käfer und Ameisen. Davon kann ich ihnen ein ganzes Nest präsentieren, nachdem ich den vertrockneten Wurzelstock von irgendetwas aus gebuddelt habe. In Scharen kriechen plötzlich geflügelte Viecher (fliegende Ameisen?) aus dem Loch. Ich weiß, das ist Natur, aber eklig finde ich es doch. Schnell schippe ich eine Handvoll Erde über die Insekten und höre den Vögeln beim Zwitschern zu, während ich die Sonnenblumen einpflanze.

Sonnenblumenpflänzchen
Die Männer fahren eine Schubkarre voll Naturabfall auf den Kompost, ich installiere den Rasensprenger im vorderen Bereich des Gartens und beschwöre den Zwerg, nicht durch das Wasser zu rennen.
„Mach ich aber dohoch!“, schreit er und düst los.
Ich hinterher, denn es ist kühl und wir haben keine Wechselklamotten dabei. Als sich sein Haupthaar durch die Feuchtigkeit langsam kräuselt, ziehe ich ihn weg. Der Rasen soll nass werden, nicht er.

Nach einer Kaffeepause auf dem Laubenvorplatz der Terrasse machen sich unsere Freunde wieder auf die Socken. Wir räumen auf, gießen den Rest des Gartens und fahren nach Hause. In der Bahn fragt der Zwerg:
„Mama, wie lange dürfen wir den Garten behalten?“
„Solange wir wollen.“
„Dann möchte ich ihn für immer haben.“

Nun gut, der Zwerg sagt momentan auch, dass er mich heiraten und immer bei mir bleiben will. Da warten wir mal ab, wie er das in zehn Jahren sieht ;-). Aber bis dahin werden wir hoffentlich noch viel Spaß gemeinsam im Garten haben.