Frau Mieze Schindler – eine Erdbeere mit Geschmack

Im Winter ist es naturgemäß ruhig und eintönig im Garten. Da kommt die alljährliche Netzwerk-Blogwichtelaktion genau richtig. Denn wenn ich nicht gerade schrebere, arbeite ich mit Texten. Und bin Mitglied im besten Netzwerk der Welt, dem Texttreff. Jedes Jahr vor Weihnachten werfen wir bloggenden Mitglieder unsere URLs in die Lostrommel. Es wird wild gemischt und dann darf jede einen Gastbeitrag für ein Blog schreiben und bekommt von einer dritten Bloggerin einen Beitrag geschenkt.
Dieses Jahr wurde mir Heike Baller zugelost, die mit ihrem Beitrag fruchtig rote Frische in den kargen Januar bringt:

Erdbeeren und Pflanzen

Frau Mieze Schindler – eine Erdbeere mit Geschmack

War es bei Ihnen auch so, dass die Erdbeeren in Opas Garten direkt gepflückt am besten schmeckten? Die aus dem Supermarkt kommen da nicht mit, stimmts? Dass mir da nicht nur meine Erinnerung einen Streich spielte, fiel mir das erste Mal auf, als ich vor x Jahren Erdbeeren in größerer Menge putzte: Anstatt dass sich mit den Kelchblättern auch der weiße Keil im Innern löste, musste ich diesen bei jeder Frucht einzeln rauspulen – oder drin lassen. 😉 Und der mangelnde Geschmack – der ließ sich nicht nur damit erklären, dass sonnenwarme Früchte einfach besser schmecken.

Doch seit einigen Jahren gibt es Abhilfe. Mieze ist zurück. „Mieze Schindler“ heißt eine Erdbeere, die quasi sofort gegessen werden muss: Weich und saftig löst sie sich ohne besagten Keil vom Stiel, um direkt genascht zu werden.
Dass sie so weich ist, war ihr Beinahe-Todesurteil, denn solch empfindliche Früchte lassen sich nicht transportieren oder lagern. Die Züchtung stammt aus den 20er Jahren und trägt den Namen der Gattin des Züchters. Der korrekte Name lautet „Frau Mieze Schindler“, denn es gibt bei dieser Sorte nur weiblich Blüten, so dass eine andere Erdbeere in der Nähe sein muss, um sie zu bestäuben.

Da der Bedarf an Obst nach dem zweiten Weltkrieg rasant anstieg und aus Kostengründen ertragreiche Sorten mit festeren Früchten besser zu verkaufen waren, geriet die Erdbeere aus Pillnitz im Westen in Vergessenheit. In der DDR existierte sie weiter – die Ausläufer des Wurzelstocks bilden neue Pflanzen, so dass mit einem Grundbestand an Pflanzen langjähriger Anbau möglich ist. So wurde sie immer weitergereicht, in den Haus- und Hofgärten gehegt und gepflegt, denn Erdbeeren zu kaufen gab es selten. Inzwischen ist „Mieze Schindler“, wie sie verkürzt genannt wird, bundesweit beliebt und verbreitet – aber eben nur für den Hausgebrauch.

Heike Baller, Rechercheurin, bietet mit Profi-Wissen Dienstleistungen rund ums Recherchieren an: Hintergrund- und Literaturrecherchen, Seminare und Vorträge.

Sonnenblumenübergabe mit Erdbeermarmelade

Katharina, eine virtuelle Arbeitskollegin aus derselben Stadt hat erfahren, dass ich einen Garten habe. Sie schreibt mir eine Mail:
„Wärest du an ein paar kleinen Sonnenblumenpflänzchen interessiert? Die aus Vogelfutter aufgekeimten Setzlinge wollen wachsen, finden in meinem Balkonkasten aber keine Gelegenheit zur Entfaltung. Ich könnte dir ein paar mitbringen.“
Oh wie schön, Sonnenblumen wollte ich sowieso pflanzen. Bisher hat es leider nur bis zum Kauf einer Samentüte gereicht, von daher kommen mir fertige Pflänzchen gerade recht. Ich vereinbare einen Übergabetermin mit Katharina.
Mittwochs, nachdem ich den Zwerg aus der Kita abgeholt habe, treffen wir uns an der Bahnstation und gehen noch einen Kaffee zusammen trinken. Während Zwerg ein Mangoeis schleckt, erzählt mir Katharina von ihrem Schrebergarten, den sie aber vor einer Weile aufgegeben hat. Simone, eine andere Kollegin, gesellt sich auf einen schnellen Espresso hinzu. Im Gepäck hat sie Erdbeermarmelade. Die Früchte stammen von Erdbeerpflanzen, die ihr Katharina vor Jahren aus ihrem Garten mitgegeben hat.

„So lebt der Garten weiter“, sagt Katharina gerührt. Sie steckt das Marmeladenglas ein und überreicht mir eine Tüte mit mehreren Sonnenblumenpflänzchen. Ich werde sie bei der nächsten Gelegenheit neben die beiden Rosenstöcke setzen. Dann lebt auch in unserem Garten etwas weiter.

Erdbeertraum

Nicht nur der erste Spargel war vier Wochen eher als sonst in den Läden, auch die Erdbeeren sind dieses Jahr ziemlich früh dran. Bei einem kurzen Routinebesuch im Garten blitzt es uns zwischen den Sträuchern rot entgegen.

Erdbeeren am Strauch

Schnell hole ich eine Schüssel aus der Laube, und dann hocken wir uns ins Beet und pflücken. Ich zeige dem Zwerg, wo er die Früchte abzwicken muss und erkläre ihm, dass die mit der hellen Spitze noch ein Weilchen brauchen.
Ruckzuck ist die Schüssel voll. Unsere ersten Erdbeeren. Selbstgepflückt. Ein Traum!

Erdbeeren in der Schüssel