Sommerfest in der Kleingartenkolonie? Da gibt’s was auf die Ohren!

Grillgeruch, leise Musik und bunte Lichter empfangen uns. Das Sommerfest auf der Vereinsparzelle ist in vollem Gange. Wir finden ein freies Biertisch-Ensemble zwischen einer Seniorengruppe und einer Clique, die enthusiastisch kleine Glasfläschchen auf die Tischplatte knallt. Die Musik ist besser als befürchtet, die Bedienung schnell und freundlich. Im Handumdrehen haben wir (Claudi, Martin, ihr Gast, der Mann, der Zwerg und ich) Bier, Wein, Apfelschorle, Wasser und andere, ungeahnte Getränke vor uns stehen.
„Ich hab heute Nachmittag zwei Burger bei Manni vorbestellt“, sagt der Mann.
Ich wusste gar nicht, dass man Burger vorbestellen konnte. Aber ich war ja auch mit anderen Dingen beschäftigt.

Dach des Vereinszeltes von innen. Bunte Lichter

Während der Mann an Mannis Gasgrill ansteht, gibt es einen abrupten Musikwechsel. Wo eben noch Motown-Rhythmen mein Ohr entzückten, besingt nun Heino seine Barbara**. In dem Moment, in dem ich meine Augen verdrehe, kommt Leben in die Seniorengruppe. Ein Paar steht auf und eröffnet die bisher leere Tanzfläche. Andere folgen, und schon haben wir den schönsten Schwof. Gott sei Dank kommt bald der Mann mit unseren Burgern und ich kann mich auf andere Dinge als diese schreckliche Musik konzentrieren. (Z. B. wundere ich mich mal wieder, wie viel Fleisch ich esse, sobald ich die Kleingartenkolonie betrete.)

Wir essen, trinken und unterhalten uns durch den Abend. Die Musik verweilt eine Weile bei Heino,

 
wechselt dann zu Andrea Berg, um endlich bei Interpreten Halt zu machen, die ich zwar nicht kenne, aber halbwegs erträglich finde. Ich schaue auf meine Birkenstocks, beschließe, dass man damit tanzen kann, und ziehe den Mann auf den Dancefloor. Wozu haben wir schließlich jahrelang Tanzkurse besucht?

So hoppeln wir einträchtig zwischen jungen und alten Gartenfreunden, aufgebrezelten Teenagern und gediegenen Mittfünfzigern herum. Irgendwann entern die Kinder die Tanzfläche und ich beobachte mit sentimentalen Mutteraugen, wie der Zwerg mit einem gleichaltrigen blonden Mädchen tanzt. Seine Bewegungen sehen aus, als würde er einem Hagelsturm ausweichen. Alles in allem scheinen er und seine Tanzpartnerin aber gut klarzukommen.

Leider müssen wir irgendwann nach Hause, denn in unserer Laube können wir momentan nicht übernachten. 😦

Laube voller Gerümpel

Wir packen den Zwerg in den Anhänger und karren in der Dunkelheit zur S-Bahn. Dabei beschließen wir das nächste Projekt: Laube entrümpeln. Damit wir beim nächsten schönen Abend endlich wieder im Garten bleiben können.

 

** Wer sich das anhört, ist selbst schuld. Wir konnten leider nicht anders. 😉

Bücher im Schrebergarten: Stop ‘n‘ go oder Relax ‘n‘ read?

Meine Kollegin Stella Cornelius-Koch hat eine Blogparade initiiert zum Thema: Wie entspannend sind Bücher? Leichte Antwort, denke ich im ersten Moment: Bücher sind entspannend. Punkt.
Aber so einfach ist es dann doch nicht. Denn ich habe ja seit Februar einen Schrebergarten. Deshalb ist es wohl sinnvoll, den Begriff Bücher in zwei Kategorien einzuteilen: Romane und Gartenratgeber.

ROMANE

Meine Vorstellung:

Mit einem Roman im Schatten des Ampelsonnenschirms sitzen, die Beine hochgelegt und den Kopf angenehm abgepuffert von einem weichen Kissen. Die Bäume rauschen sanft im Wind, himmlische Ruhe liegt über der Kleingartenkolonie. So wie sich die Biene in den süßen Nektar des Blütenkelches versenkt, so tauche ich ein in die spannende, berührende, packende, lustige, ergreifende, mitreißende, traurige, wunderschöne, phantastische … Geschichte. Die warme Luft umschmeichelt mich, der schnöde Alltag ist weit entfernt, mein Geist weitet sich und tankt Kraft. Oh wie entspannend ist es, ein Buch zu lesen!

Buch mit Teetasse im Garten

Die Realität:

  • „Nicht mit Wasser spritzen, Zwerg, das Buch ist aus der Bücherei!“
  • „Maaamaaa, wollen wir Indianer spielen?“
  • „Es fängt an zu regnen. Schnell alles unter das Vordach räumen!“
  • „Wir müssen den Rasen mähen, der Vorstand hat sich schon beschwert.“
  • „Die Heckenschere von nebenan knattert in letzter Zeit aber ziemlich laut.“
  • „Muss der die Umwälzpumpe eigentlich den ganzen Tag laufen lassen?“

Fazit:

Romane sind entspannend. Aber nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Und wenn sie stimmen, dann bitte länger als 5 Minuten.

GARTENRATGEBER

Meine Vorstellung:

Vertrauensvoll habe ich mir als Gartenneuling Bücher zum Thema gekauft und in der Bücherei ausgeliehen. Ratgeber für jeden Gartenmonat, Ratgeber für die verschiedenen Pflanzbereiche, Ratgeber für Problemfälle, Ratgeber ganz speziell für Schrebergärten. Auf diese Weise erhoffte ich mir, schrittweise herauszufinden, wie die Pflanzen auf unserem Grundstück heißen und wie man sie am besten pflegt. Ratgebertechnisch gut ausgerüstet und voller Optimismus startete ich in meine erste Schrebergartensaison.

Die Realität:

  • Ich gehe mit einem Buch, in dem unzählige Blühpflanzen abgebildet und beschrieben sind, die Parzelle ab. Bis auf eine Lilienart und den Rhododendron, die ich auch vorher schon zuordnen konnte, enthält es keine der Blumen und Stauden, die in meinem Garten wachsen.
  • Ein Bodendecker wuchert im Beet. Ich habe ihn lange für Unkraut gehalten, bis ich bei Claudi gesehen habe, dass er wunderhübsch blüht. Eigentlich. Nur bei mir nicht. In den Büchern finde ich keinerlei Hinweis auf diese Pflanze.
  • Im Ratgeber lese ich: „Äpfel können ab Juli/August geerntet werden, je nach Sorte.“ Unsere beiden Apfelbäume tragen, aber da ich keine Ahnung habe, welche Sorten es sind, weiß ich auch nicht, ob ich schon pflücken kann/muss. Laut Ratgeber werden die Äpfel holzig, wenn man sie zu lange am Baum lässt. Aber kann man Äpfel mit weißen Kernen schon pflücken? Das Buch verrät es mir nicht.
  • Überall lese ich: Kompost ist das Beste für den Garten. Dann lese ich vom idealen Kompost, dem man nur stark zerkleinerte Obstbaum-, Hecken- und sonstige Schnittabfälle zuführen darf. Auch Laub und Gras nur dünn, sonst fault der Kompost. Dann ist die Rede von stark wasserhaltigen und sich leicht verdichtenden Stoffen, zwischen die immer wieder gröbere, faserige und lüftungsfördernde Materialien gemischt werden sollen. Puh, spätestens jetzt traue ich mir nicht mehr zu, einen funktionierenden Kompost zu schaffen.

Fazit:

Gartenratgeber sind sicherlich sehr hilfreich. Mich aber stressen sie momentan eher. Weil ich ständig das Gefühl habe, es nicht hinzubekommen. Gott sei Dank sagte Claudi letztens:
„Als ich vor einem Jahr den Garten übernommen habe, war ich genau wie du: Ich habe alles gelesen, was ich finden konnte. Und habe mich ständig geärgert, dass ich die Monatsaufgaben nicht schaffe. Dann habe ich mich entschieden, nur das zu machen, was im Moment nötig ist.“
In diesem Sinne werde ich mich jetzt entspannen: Ich schaue, welche Gartenaufgaben mir ins Auge springen und betrachte die Gartenratgeber als Hilfs- und Inspirationsquelle, aber nicht als Druckmittel.

Steinfigur Junge mit Buch