Rien ne va plus im Garten de luxe

Unser dritter Tag in Folge im Garten. Als wir durchs Törchen schreiten, ist es, als wären wir nie weg gewesen. Ich gehe in die Küche und bereite auf der rudimentären Arbeitsplatte einen Salat zu. Der Mann bastelt wieder ein Sonnensegel neben den Ampelschirm und der Zwerg darf den Gartenschlauch ins Planschbecken halten. Gender-Idyll pur.

Nach einer Weile trifft unser Freund Mario mit seinen beiden Söhnen (4 Jahre, 6 Monate) ein. Mario und seine Frau haben selbst einen Garten. Ein gepachtetes Grundstück neben einem Reitstall, ohne fließend Wasser, ohne Strom und ohne Toilette. Als wir einmal zu Besuch dort waren, konnte ich immerhin die Stalltoilette benutzen, die nur fünf Minuten weit weg ist. Für Mario ist unsere Parzelle eine Art Garten de luxe.
Mario bringt etwas aus seinem Garten zum Einstand mit: ein Gläschen mit schwarzen Bohnen zum Einpflanzen. Wir bedanken uns artig, geben aber zu, dass wir nicht vorhaben, dieses Jahr irgend etwas Essbares anzupflanzen. Ich erwähne den Rhabarber, den wir ja leider nicht ernten konnten, weil er direkt in unserem kontaminierten Boden wurzelt.
„Wenn ihr den Rhabarber nicht braucht, dann nehme ich ihn gern“, sagt Mario.
Kurz besprechen wir die Frage, ob ein jahrelang in kontaminiertem Boden gewurzelt habender Rhabarber in anderer Erde unbedenklich ist oder ob er für immer ungenießbar bleibt. Mario sieht das gelassen. Wir verabreden, dass er ihn demnächst mal ausgraben kommt. Frei nach dem Motto: „Rhabarber in gute Erde abzugeben.“

Mittlerweile haben sich beiden Zwerge schon nackig gemacht und springen durchs Wasser oder rennen unter die Gartendusche auf der vorderen Wiese. Der Minizwerg liegt auf einer Decke im Schatten und spielt mit seinen Füßen. Die Männer liegen daneben und sprechen über Fußballspielen. Ich lege die Beine hoch und mache – nichts. Der Gedanke an das Unkraut, das aus allen Ritzen und Fugen sprießt, verdunstet unwiederbringlich in der Hitze.
Füße am Planschbecken
So vergeht der Tag. Wir essen Salat, wir trinken Apfelschorle, wir trinken Kaffee und essen Kekse. Schmetterlinge tanzen in der Luft, Bienchen schlüpfen in Blüten und strecken uns ihre pummeligen Popos entgegen. Noch Fragen?

Am Ende dieses wunderbaren Tages erhalte ich die Antwort auf eine bisher offen gebliebene Frage. Ich stehe vor unserer Hecke und halte den Gartenschlauch darauf. Völlig versunken betrachte ich den Wasserstrahl, lenke ihn mal hier- und mal dorthin, sehe die trockene Erde sich vollsaugen und – das Wasser versiegen. Ich schüttele den Schlauch, schaue hinein, aber: Rien ne va plus. Doch was höre ich da hinter mir? Etwa ein leises Kichern? Ein lautes Lachen? Ich drehe mich um.
„Ätschibätsch, ausgetrickst!“, ruft der Zwerg.
Er hockt auf dem Rasen und knickt den Schlauch so, dass kein Wasser mehr durchkommt. Dann lässt er los und die Fontäne schießt mir um die Beine. Der kleine Satansbraten kringelt sich vor lachen. Jetzt wird mir klar: Das ist der Trick, den der Zwerg beim Viertelfinale von Claudi und Konsorten gelernt hat. Na wartet, euch werd’ ich was erzählen!!!