Pflanzen bestimmen à la Dummie II

Was esse ich, und wenn ja, wie heißt es?
Diese Frage stellt sich mir, seit die ersten Äpfel miniklein in unseren beiden Bäumen hingen.
Die gelb-grünen dicken Bollen im großen Baum konnte ich bisher nicht identifizieren. Ein Besuch im Einkaufsladen meines Vertrauens brachte jedoch (vermutlich) den Namen unserer roten Äpfel ans Licht.
Im Kundenmagazin, das man gratis mitnehmen kann, sind Äpfel das Thema, und auf einer Seite werden mehrere Sorten vorgestellt. Es sieht so aus, als hätten wir im hinteren Garten ein Topaz-Bäumchen stehen.SAMSUNG DIGITAL CAMERA
Bei Wikipedia steht allerdings, dass der Apfel ab Ende September gepflückt werden kann, normalerweise ab Mitte Oktober. Und genussreif sei er ab Anfang Dezember.
Tja, die meisten Äpfel haben wir eher Mitte September gepflückt, und gegessen habe ich sie sofort. Ich fand sie lecker. 🙂
Heißt das jetzt, dass dieses Jahr alles früher reif wurde oder dass ich halbfertige Äpfel gegessen habe? Oder heißen die kleinen Roten doch nicht Topaz?
Eins steht fest: Die Dummie-Methode ist nicht die sicherste zum Pflanzenbestimmen.

Wie schmeckt Kleingärtnerglück?

Eier und Schmalz, Butter und Salz, Milch und Mehl, Safran macht den Kuchen gehl!
Der Zwerg und ich singen aus vollem Hals, während wir den Teig für den Apfelkuchen vorbereiten.
Die Äpfel, die ich in der Abstellkammer eingelagert habe, sind ziemlich verarbeitungswürdig. Ich schneide die braunen Stellen heraus und produziere schmale Apfelschnitze, die ich in engem Abstand auf dem mit Teig ausgestrichenen Blech auslege. Am Ende sehen sie aus wie eine Armee von Halbmonden.

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Dann singen wir: Schieb, schieb in‘ Ofen ’nein.

Während der Backofen seine Arbeit macht, mache ich aus dem Rest der Äpfel Apfelkompott. Ich komme mir unglaublich hausmütterlich vor, wie ich die Apfelstücke in einen Sud von Apfelsaft und Zimtstangen gebe und den Deckel auf den Topf setze. Bald ist die ganze Wohnung erfüllt von einem herrlichen Duft. Und kurze Zeit später kann ich die zerfallenen Äpfel pürieren und zuckern.
Der Mann hat mittlerweile die Einmachgläser, die er vor Urzeiten mit in den Haushalt gebracht hat, ausgespült und abgetrocknet. Da sieht man mal wieder, dass es für alles eine Verwendung gibt – man muss bloß lange genug warten und dann einem Kleingartenverein beitreten.

Es reicht für zwei Gläser. Immerhin.
Feierlich drehe ich die Deckel darauf und stelle die heißen Gläser auf ein Handtuch.

ApfelkompottJetzt ist auch der Kuchen fertig. Ein Gedicht. Wenn ich nicht vergessen hätte, das Blech einzufetten. Ich schneide den Kuchen in Stücke und schabe ihn in mühevoller Kleinarbeit herunter. Glück gehabt, es ist nichts angebrannt.

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Wir schlagen Sahne und genießen den noch warmen Apfelkuchen. So schmeckt Kleingärtnerglück.

In den Tiefen des organischen Materials

Der Mann und ich deponieren den Zwerg bei einem seiner Kita-Kumpels, um uns mal länger als fünf Minuten ungestört der Parzellenpflege widmen zu können. Ich würde am liebsten die Rosen beschneiden, aber mein Lieblings-Pragmatiker überzeugt mich, dass es wichtiger ist, die Hecke in der Schmuddelecke hinter der Laube zu kürzen. Diesen Teil des Gartens haben wir bisher sträflich vernächlässigt, daher ist die Hecke mächtig ins Kraut geschossen und überwuchert den Kompostbehälter und die randvolle Regentonne.

Mit Elektro- und Offline-Scheren machen wir uns an die Arbeit und stutzen das grüne Monster gehörig zurecht. Mit jedem Schnipp und Schnapp wird es heller um uns herum, irgendwann lässt sich dann auch der Deckel des Komposters wieder öffnen. Er ist voll von Zweigen, Grasschnitt und anderem organischen Material. Es muss über ein Jahr her sein, dass Herr Wuttke sich darum gekümmert hat.
„Was machen wir denn jetzt mit dem Zeug?“, fragt der Mann.
„Keine Ahnung. Sieht nicht so aus, als würde hier etwas verrotten“, gebe ich zurück.
Kurzerhand holt der Mann einen Spaten aus dem Schuppen und beginnt, das Zeug in die Schubkarre zu schaufeln. Ein Astgeflecht lässt sich nicht so einfach herausziehen, also schneidet der Mann es erst einmal ab. Ich übernehme den Spaten von ihm und schaufele weiter.
Eine Maus wühlt sich ans Tageslicht. Ich mache einen Satz nach hinten.
„Oh mein Gott, da drin lebt es!“
Die Maus springt panisch über den Rand des Komposters und landet in der Regentonne. Im nächsten Augenblick ist nichts mehr von ihr zu sehen. Nur das Wasser schwappt sachte. Jetzt haben wir schon das zweite Mäuseopfer in unserem Garten zu beklagen. 😦

Wesentlich zaghafter grabe ich weiter. Wer weiß, was sonst noch in den Tiefen des organischen Materials verborgen ist. Vorerst krabbeln jedoch nur Asseln und anderes Ohrenkneifergetier aus ihren Verstecken.
Bald erkenne ich, dass wir bei dem Astgeflecht wieder so ein Problem der Marke „Pflanze-steckt-fest-wie-in-Beton“ haben. Mit dem Spaten lassen sich diese Dinger jedenfalls nicht aus dem Komposter schippen.
Wieder muss der Mann ran, und diesmal schafft er es. Er zerrt mehrere Pflanzen samt Wurzelwerk heraus. Das bedeutet, dass die Pflanzen tatschächlich in dieser dunklen Kiste Wurzeln geschlagen haben und gewachsen sind. Ich meine – wie geht das, so ganz ohne Licht und Wasser?
Ich schaufle weiter bis zum Pegelstand untere Hälfte Behälter. Ab hier stoße ich auf so etwas wie richtige Erde.
Die hat Vorpächter Wuttke doch sicherlich nicht selbst eingefüllt. Also muss das schon richtiger Kompost sein. Der scheint sich einfach so gebildet zu haben, obwohl sich niemand um sein Wohl gekümmert hat. Also wirklich, diese Natur! Macht einfach, was sie will, ohne menschliches Zutun …

Ich lasse den vermeintlichen Kompost also im Behälter und fahre das herausgeschaufelte Zeug zum Vereinskompostplatz. Mir ist klar, dass das irgendwie idiotisch ist, aber ich mache es trotzdem.
Nachdem ich dann noch gefühlt hundert Schubkarrenladungen Heckenschnitt abtransportiert habe, wird es Zeit, den Zwerg bei seinem Kumpel abzuholen. Bevor wir fahren, zupfen der Mann und ich noch schnell die reifen Äpfel vom hinteren Baum. Sie sind knallrot und in einem sehr guten Zustand. Da hat die Natur ganze Arbeit geleistet. Völlig ohne unser Zutun. 😉

Äpfel rot 1

Magere Ausbeute in der Dunkelkammer

Der Korb ist eine gelbe Ikea-Riesentüte, der Mann ist das Original. Am Tag bevor wir an die Ostsee abschwirren, gehen wir noch mal Äpfel anfragen. Leider erweisen sie sich als nicht mehr so bereitwillig wie beim letzten Mal. Nachdem wir an jedem erreichbaren Apfel einmal gezupft haben, ist nur der Boden der Tüte mit Exemplaren bedeckt, die sich ohne zu zögern vom Baum drehen ließen.
„Dafür sind wir jetzt extra hergekommen?“, fragt der Mann.
„Scheint so“, antworte ich.
Nun denn, wir fahren mit der mageren Ausbeute zurück nach Hause. Verarbeiten kann ich sie jetzt nicht mehr, also lege ich sie auf ein Tablett und stelle sie in die dunkle Abstellkammer. Nach dem Urlaub suche ich dann mal ein Rezept für Apfelmus heraus.

Äpfel in der Dunkelkammer – mit Blitz fotografiert

Äpfel in der Dunkelkammer – mit Blitz fotografiert

Pflanzen: festgemauert – Äpfel: bereitwillig

Die Sache mit den weißen Kernen klärt sich an einem Samstag, als ich mit dem Zwerg vor allem deshalb auf Parzelle fahre, um die Schubkarre unserer Nachbarn klarzumachen. Diese geben nämlich ihren Garten auf und möchten so viel Zeug wie möglich loswerden. Und da uns Claudi den Metallschuppen vor der Nase weggeschnappt hat, wollen wir wenigstens die Schubkarre haben.
Die Sache wird auf Gartenfreunde-Art geklärt: Weil die Nachbarn nicht wissen, ab wann es Nachpächter gibt, brauchen sie die Karre auf unbestimmte Zeit noch selbst. So lange stellen sie sie aber an die Hecke, sodass wir sie nur rüberheben müssen. Ich bedanke mich vielmals ob der Freundlichkeit. Auch der Zwerg bedankt sich – und zwar mit seinem unnachahmlichen Augenaufschlag. Die Nachbarin lächelt verzaubert, behält mein Söhnlein gleich auf ihrer Parzelle und füttert es mit Bonbons.

Das passt mir gut, denn so kann ich mich in Ruhe dem vorderen Beet und seinen diversen Unkräutern widmen. Vor allem diesen langen, schmalen Gewächsen mit dicken Stängeln und vergleichsweise kleinen Blättern, deren Blätter plötzlich gar nicht mehr so klein sind, die aber weiterhin wie festgemauert in der Erden wurzeln.

Unausreißbare Pflanze 1
Martin vermutete bei der letzten Gartenbegehung, es seien Linden. Ich glaub’s ja nicht. Aber wie heißen sie dann?
Probehalber ziehe ich daran. Natürlich tut sich nichts: ——–> festgemauert
Einen halben Meter daneben finde ich noch so ein Duo, nur kleiner. Auch diese beiden lassen sich nicht herausziehen. Ich grabe ein Stück, schneide die Stängel einfach ab und häufe schnell Erde darüber. Hoffentlich wachsen sie nicht nach!
Die beiden großen Burschen muss ich stehen lassen. Da hilft nur eine Säge, schätze ich. Und das lasse ich lieber den Mann machen, ich schwaches Weibchen, ich.
„Maaama, ich hab noch ein Bonbon bekommen!“, ruft der Zwerg zwischendurch übern Zaun.
„Wunderbar“, zwitschere ich zurück und wühle Neuableger der Hecke aus der Erde.
Da muss man ja aufpassen wie ein Luchs, damit nicht alles zuwuchert. Ich habe diese Natur doch ziemlich unterschätzt.

Als der Zwerg mit verklebtem Mund und wahrscheinlich genauso verklebtem Magen rüberkommt, habe ich eine beachtliche Fläche des Beetes freigelegt. Mehr wird mir mein Rücken heute nicht verzeihen. Deshalb beschließe ich, mich dem nächsten Thema zu widmen.
„Wollen wir mal gucken, ob die Äpfel schon reif sind?“
„Au ja!“ Der Zwerg flitzt zum Baum und versucht einen der riesigen grünen Bollen zu erwischen. Leider ist er einen Tick zu klein.

Äpfel grünAlso nehme ich einen Apfel in die Hand und drehe ihn vorsichtig am Stiel. Denn von meiner Freundin Kelly habe ich kürzlich gelernt, dass man nicht reißt und zerrt, sondern die Frucht quasi sanft anfragt, ob sie denn nun genug vom Hängen am Baum habe.
Und was soll ich sagen: Bereitwillig begibt sich der Apfel in die Obhut meiner liebevollen Hand.
„Der ist reif“, konstatiere ich.
„Juhu“, jubelt der Zwerg.
Um auch den letzten Zweifel zu zerstreuen, hole ich ein Messer aus der Laube und schneide den Apfel auf. Mehrere Kerne heben sich tiefschwarz vom weißen Fruchtfleisch ab. Strike!
Ich beiße rein und beschließe schnell, dass diese Sorte wohl eher ein Fall für Kompott und Kuchen ist.
„Zwerg“, sage ich und packe den Rest für zu Hause ein, „morgen gibt’s Apfel-Haselnuss-Muffins.“
Die anderen Äpfel lasse ich am Baum hängen. Wir kommen dann noch mal extra zum Pflücken. Mit einem großen Korb. Und dem Mann.