Ein Swimmingpool ist keine Boccia-Kugel

Vor fast genau einem Jahr ist uns der Schrebergarten vor die Füße gefallen. Nein, er hat uns förmlich angesprungen.
Wo andere jahrelang auf eine Parzelle warten müssen, konnten wir uns bequem an einem Buffet bedienen: Mehrere Gärten waren frei, wir hatten die Wahl und, weil wir mitten im Winter kamen, auch keine Konkurrenz.
Wo andere zigtausend Euro hinblättern, bekamen wir den top gepflegten Garten samt super gut erhaltener Laube für: Nullkommanichts. Wir unterschrieben den Pachtvetrag, zahlten unserem Vorpächter einen minimalen Abstand für eine komplette Gartenausstattung vom Rasenmäher über den Liegestuhl bis zum Kaffeelöffel und – zogen ein.
„Wo ist der Haken?“, höre ich all die neidischen anderen flüstern.
„Haken?“, frage ich unschuldig. „Was für ein Haken?“

Nun ja, klar gibt es einen Haken. Und der ist nicht aus Metall, sondern aus Beton. Aus viel Beton. Beton in Form eines Schuppens und Beton in Form eines nierenförmigen Swimmingpools.

Swimmingpool

Und all dieser Beton muss weg! Dem Erdboden gleichgemacht werden. Sagt das Bundeskleingartengesetz. Deshalb mussten wir keinen Cent bezahlen, um den Schlüssel zu bekommen. Denn bezahlen werden wir mit dem Schweiß auf unserer Stirne!
Die große Abrissaktion war eigentlich für letzten Herbst geplant. Doch da kam so einiges dazwischen. Dann gab es ein paar zaghafte Terminvorstöße für Januar und Februar, die sich leider schneller erledigt hatten, als man Bundeskleingartengesetz schreiben kann. Aber jetzt naht die große Stunde: Morgen besorgen der Mann und unser Freund Martin Presslufthammer, Stemmeißel, Fäustel und was man sonst noch braucht, um so richtig Rabatz zu machen.

Deshalb haben wir am letzten Wochenende den Schuppen ausgeräumt. Der voll war mit altem Zeug, das Herr Wuttke, unser Vorpächter, im Laufe seines langen Schreber-Lebens dort angesammelt hat. Säckeweise verrostetes Werkzeug, alte Schrauben und poröse Gartenschläuche haben wir rausgeschaufelt, bis die Hütte endlich leer war.

Schuppen

Neben hässlichem Dekokram aus den frühen 1970ern stieß der Zwerg auf ein Plastik-Boccia-Set in schickem Orange.
„Das will ich!“, ruft er.
„Haben“, füge ich hinzu.
„Nein, spielen“, korrigiert er mich und hebt das Ding am Griff hoch.
Knacks, bricht der Griff ab. Das Set fällt auf den Boden und weiteres Plastik splittert durch die Gegend.
„Das Set hat auf jeden Fall die Ölkrise miterlebt.“ Der Mann setzt an, es in einem Müllsack zu versenken.
„Neiiiiiin!“, kreischt der Zwerg. „Ich will mit den Bällen spielen!“
Also bekommt der Zwerg eine Bocciakugel. Er stellt ein paar Kegel auf eine Wegplatte und wirft die Kugel. Kaum hat sie den Boden berührt, zerbricht sie in drei Stücke.

Plastikscherben

„Mein Ball!!!!!“, schreit der Zwerg entsetzt.
Ich puhle eine neue Kugel aus der Röhre. Sie zerbricht schon in meinen Händen.
„Die gehen alle sofort kaputt“, jammert das Zwerglein.
Der Mann seufzt tief: „Hoffentlich geht der Beton auch so leicht kaputt.“

Ich wünsche es der Abrissbrigade sehr. Aber ich fürchte, es wird nicht ganz so einfach. Denn wie hat mal ein weiser Mensch gesagt: „Ein Swimmingpool ist keine Boccia-Kugel.“

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2 Kommentare zu “Ein Swimmingpool ist keine Boccia-Kugel

  1. OMG, da habt Ihr euch ja echt was vorgenommen, eine Heidenarbeit!!!
    Ich wäre den Deal aber auch eingegangen, wenn ich dafür einen tollen Schrebergarten bekommen würde – würde das Ding mit nem Lächeln im Gesicht „plattmachen“ 😉

    Aber was ich mich beim Lesen des Beitrags gefragt habe: Wieso dürft/könnt ihr den Pool nicht einfach ein wenig restaurieren und selbst nutzen???

    Lg, Leszek

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    • Hallo Leszek,

      das wurde schon vor vielen, vielen Jahren per Gericht beschlossen, als unser Vorpächter noch jung war. Der durfte den Pool behalten unter der Auflage, dass bei Pächterwechsel das Ding entfernt werden muss. Hat irgendetwas mit versiegelter Fläche zu tun, die einen gewissen Anteil nicht überschreiten darf. Nun ja, wir fanden den Pool zwar schön, aber kommen auch mit einem Planschbecken ganz gut zurecht. Und eine größere Rasenfläche ist auch nicht zu verachten 🙂

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