Ding-dong, wir läuten den Herbst ein!

Seit drei Wochen waren wir nun nicht mehr auf Parzelle. Teils weil so viel anderes los war, teils wegen akuter Unlust (ja, ich gebe es zu).
Seit Tagen aber rascheln die Zottelwickensamen im Tütchen, und das Geräusch verfolgt mich bis in meine Träume. Wenn ich jetzt nicht aussäe, brauch ich es dieses Jahr gar nicht mehr zu tun. Also schnappe ich mir den Zwerg und sein neues Fahrrad und los geht’s.

Petrus sprach „Es werde Herbst“ und es ward Herbst. Unseren Garten jedenfalls hat er jahreszeitlich umdekoriert: viel Laub auf dem Rasen und in den Beeten, die Blätter einer Hecke sind weinrot gefärbt, die gelben Sommerblumen vertrocknet und die Rosen haben es bis auf zwei, drei vereinzelte Knospen auch schon aufgegeben. (OK, das könnte auch daran liegen, dass wir so lange nicht mehr da waren. Unter täglicher Pflege hätte man da sicher noch etwas rausreißen können.)

Während ich die freien Beetflächen wässere, um die verstreuten Unkrautpflänzlein besser herausziehen zu können, tollt der Zwerg über den Rasen.
„Mama, wir haben Pilze in der Wiese!“
Wie jetzt? Ich komme näher und der Zwerg zeigt mir seinen Fund.SAMSUNG DIGITAL CAMERA
Ist das normal? Oder haben wir bei der (Nicht-)Pflege unseres Rasens einen Fehler gemacht?
„Kann man die essen?“, fragt der Zwerg.
„Besser nicht“, sage ich schnell. „Und auch nicht anfassen.“
Was mache ich denn jetzt mit den Dingern? Reiße ich sie einfach aus dem Boden? Muss ich sie ausgraben, damit sie nicht mehr wiederkommen? Und wie heißen die mit Vornamen?

Erst einmal heißt es jedoch, die versprengten Unkräutlein aus dem Beet zu zupfen, und ich merke, dass ich wohl eher der Fraktion Pinzette angehöre, über die sich unser Gartenfreund Martin letztens lustig gemacht hat. Aber lacht nur! Wenn meine Zottelwicken im makellosen Beet blühen, werdet ihr vor Neid im Boden versinken (nur nicht zu tief – aus Gründen!).
„Mama, darf ich auch Perlen auf das Beet werfen?“, fragt der Zwerg, als ich die ersten Samen verstreue.
Ich habe keine Ahnung, ob man das so macht oder ob man Saatrillen zieht. Im Zweifelsfall aber zieht die Natur auch keine Saatrillen, also schütte ich ein paar Samen in des Kindes kleine Hände.
„Gleichmäßig auf dem Beet verteilen“, sage ich.
Der Zwerg lässt los und sämtliche Samen fallen auf einen Fleck direkt an der Rasenkante.
„Noch mal!“, schreit er.
Er bekommt neue Kügelchen, aber jetzt nehme ich seinen Arm und schüttele ihn so, dass die Samen sich etwas großflächiger verteilen.
„Aua, Mama!“, ruft der Zwerg empört.
Ähem, sorry, Zwerg …
Als genug Samen ausgebracht sind, streue ich noch etwas von der Erde aus unserem Komposter darüber und betrachte mein Werk. Sieht aus wie vorher. SAMSUNG DIGITAL CAMERA

Jetzt heißt es abwarten und die Natur machen lassen. In der Zwischenzeit werde ich die Parzelle von den Unmengen an Laub befreien, die Petrus hier ausgebracht hat.
Als gutes Vereinsmitglied reche ich erst einmal vor der Parzelle, damit sich niemand beklagen kann.

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Danach bilde ich auch auf unserem Rasen diverse Haufen, und weil ich nicht über den Zaun komme, um die Schubkarre der Nachbarn darüber zu heben, muss ich das Laub in den Sammeltaschen zum Kompost schleppen. Der Zwerg saust mit seinem Fahrrad an mir vorbei.
„Mama, warum bist du denn so langsam?“
„Na warte“, murmele ich in mich hinein, „eines Tages bist du stark genug, die Taschen zu tragen, und dann …“
Vorerst aber bin ich die Starke, und so darf ich nach mehreren Schleppgängen dem Zwerg auch noch auf den Apfelbaum helfen. Per Räuberleiter.SAMSUNG DIGITAL CAMERA

Als es dunkel wird, machen wir uns auf den Heimweg. Meine Arme sind gefühlte 20 Zentimeter länger, aber dafür habe ich auch alles geschafft, was ich mir vorgenommen hatte. Das ist zwar noch lange nicht alles ist, was zu tun ist, aber das ignoriere ich jetzt einfach mal!

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