Pflanzen: festgemauert – Äpfel: bereitwillig

Die Sache mit den weißen Kernen klärt sich an einem Samstag, als ich mit dem Zwerg vor allem deshalb auf Parzelle fahre, um die Schubkarre unserer Nachbarn klarzumachen. Diese geben nämlich ihren Garten auf und möchten so viel Zeug wie möglich loswerden. Und da uns Claudi den Metallschuppen vor der Nase weggeschnappt hat, wollen wir wenigstens die Schubkarre haben.
Die Sache wird auf Gartenfreunde-Art geklärt: Weil die Nachbarn nicht wissen, ab wann es Nachpächter gibt, brauchen sie die Karre auf unbestimmte Zeit noch selbst. So lange stellen sie sie aber an die Hecke, sodass wir sie nur rüberheben müssen. Ich bedanke mich vielmals ob der Freundlichkeit. Auch der Zwerg bedankt sich – und zwar mit seinem unnachahmlichen Augenaufschlag. Die Nachbarin lächelt verzaubert, behält mein Söhnlein gleich auf ihrer Parzelle und füttert es mit Bonbons.

Das passt mir gut, denn so kann ich mich in Ruhe dem vorderen Beet und seinen diversen Unkräutern widmen. Vor allem diesen langen, schmalen Gewächsen mit dicken Stängeln und vergleichsweise kleinen Blättern, deren Blätter plötzlich gar nicht mehr so klein sind, die aber weiterhin wie festgemauert in der Erden wurzeln.

Unausreißbare Pflanze 1
Martin vermutete bei der letzten Gartenbegehung, es seien Linden. Ich glaub’s ja nicht. Aber wie heißen sie dann?
Probehalber ziehe ich daran. Natürlich tut sich nichts: ——–> festgemauert
Einen halben Meter daneben finde ich noch so ein Duo, nur kleiner. Auch diese beiden lassen sich nicht herausziehen. Ich grabe ein Stück, schneide die Stängel einfach ab und häufe schnell Erde darüber. Hoffentlich wachsen sie nicht nach!
Die beiden großen Burschen muss ich stehen lassen. Da hilft nur eine Säge, schätze ich. Und das lasse ich lieber den Mann machen, ich schwaches Weibchen, ich.
„Maaama, ich hab noch ein Bonbon bekommen!“, ruft der Zwerg zwischendurch übern Zaun.
„Wunderbar“, zwitschere ich zurück und wühle Neuableger der Hecke aus der Erde.
Da muss man ja aufpassen wie ein Luchs, damit nicht alles zuwuchert. Ich habe diese Natur doch ziemlich unterschätzt.

Als der Zwerg mit verklebtem Mund und wahrscheinlich genauso verklebtem Magen rüberkommt, habe ich eine beachtliche Fläche des Beetes freigelegt. Mehr wird mir mein Rücken heute nicht verzeihen. Deshalb beschließe ich, mich dem nächsten Thema zu widmen.
„Wollen wir mal gucken, ob die Äpfel schon reif sind?“
„Au ja!“ Der Zwerg flitzt zum Baum und versucht einen der riesigen grünen Bollen zu erwischen. Leider ist er einen Tick zu klein.

Äpfel grünAlso nehme ich einen Apfel in die Hand und drehe ihn vorsichtig am Stiel. Denn von meiner Freundin Kelly habe ich kürzlich gelernt, dass man nicht reißt und zerrt, sondern die Frucht quasi sanft anfragt, ob sie denn nun genug vom Hängen am Baum habe.
Und was soll ich sagen: Bereitwillig begibt sich der Apfel in die Obhut meiner liebevollen Hand.
„Der ist reif“, konstatiere ich.
„Juhu“, jubelt der Zwerg.
Um auch den letzten Zweifel zu zerstreuen, hole ich ein Messer aus der Laube und schneide den Apfel auf. Mehrere Kerne heben sich tiefschwarz vom weißen Fruchtfleisch ab. Strike!
Ich beiße rein und beschließe schnell, dass diese Sorte wohl eher ein Fall für Kompott und Kuchen ist.
„Zwerg“, sage ich und packe den Rest für zu Hause ein, „morgen gibt’s Apfel-Haselnuss-Muffins.“
Die anderen Äpfel lasse ich am Baum hängen. Wir kommen dann noch mal extra zum Pflücken. Mit einem großen Korb. Und dem Mann.

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