Herzschonen für Dienstleister

Die Altbautreppe knarrt, als ich in den zweiten Stock zur Gravurwerkstatt steige. Soeben bin ich mit dem Fahrrad durch die Mittagshitze gebrettert, um das Schild abzuholen. Sechs mal musste ich fahren, bis es nun endlich so weit ist. Mit der Brille auf der Stirn tritt der Graveur an den Tresen.
„Guten Tag, ich möchte das Schrebergartenschild abholen, das ich letzte Woche bei Ihnen beauftragt habe.“
„Oh, das ist noch nicht fertig.“
Wie jetzt?
„Aber Sie haben doch gesagt, dass ich es heute um die Mittagszeit abholen kann.“
„Leider ist mir ein großer Auftrag dazwischengekommen. Die Platte habe ich aber schon zurechtgeschnitten.“
Aha. Muss ich mir merken. So als Dienstleisterin: Wenn man einen großen Auftrag annimmt, braucht man die kleinen, für die man bereits Zusagen gemacht hat, einfach nicht weiterzubearbeiten. So eine Herangehensweise schont sicher das Herz.
„Und wann meinen Sie, dass es fertig sein wird?“, seufze ich.
„In drei Tagen.“
Mit säuerlicher Mine verabschiede ich mich. Dann steht mir also noch eine siebte Fahrt bevor.

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