Garten und Mama forever

Wetter: durchwachsen. Regenschauer am Morgen, vor dem Mittag, während des Essens. Dabei müssen wir heute dringend im Garten nach dem Rechten sehen und haben uns mit Freunden verabredet, die schon ganz neugierig auf die Parzelle sind.
Ich packe Gummistiefel ein. Sie sind zwar schick lila, haben aber leider ein Volumen, als wären sie für einen niedersächsischen Schweinebauern gefertigt. Es ist kein modischer Vorteil, mit Schuhgröße 42 durch die Welt zu gehen …Lila GummistiefelAußerdem stecke ich noch die Handtücher, die ich nach dem feuchtfröhlichen Pfingstwochenende zu Hause gewaschen habe, in die Tasche und nehme die Sonnenblumenpflänzchen mit. Der Mann steckt Wasserflaschen und eine ganze Melone in seinen Rucksack. Gebeugt unter unserem Gepäck begeben wir uns zum Garten. Die S-Bahn hat Verspätung. Manchmal hätte ich doch gern ein Auto, in das ich bequem einsteigen und dann einfach losfahren könnte.

Als wir ankommen, ist die Fron vergessen. Der Himmel hat aufgeklart, die Sonne zeigt sich, es wird regelrecht heiß. Wie gut, dass ich einen Strohhut in der Laube deponiert habe. Geschützt mache ich mich an die Arbeit. Die verblühten Rosen müssen abgeknipst und das Unkraut im Rosenbeet muss entfernt werden, damit ich die Sonnenblumen dort einpflanzen kann.
Das Handy klingelt. Unsere Freunde stehen vor dem Kolonietor und begehren Einlass. Ich latsche mit Zwerg und Durchsteckschlüssel, dessen Prinzip ich immer noch nicht so recht verstanden habe, nach vorn und lasse sie rein. Die beiden Jungs (zwei und sechs) flitzen in Gummistiefeln von etwas dezenterer Passform vor mir her. Der Zwerg weist ihnen stolz den Weg zu unserer Parzelle.
Wie nicht anders zu erwarten, sind unsere Freunde vom Garten begeistert. Innerhalb von Sekunden annektieren sie sämtliche Scheren und Handschuhe und scharren mit den Hufen. Der Mann und ich lassen sie auf die Hecke los. Die muss tatsächlich mal ein bisschen zurechtgestutzt werden. Ich weiß zwar nicht, welche Heckenart wir da haben und ob man die zurzeit schneiden darf, aber das ist jetzt auch egal. Bald ist der Rasen übersät mit langen Zweigen.
Der Sechsjährige hat ein Forscherset mitgebracht, gemeinsam sammeln er und der Zwerg Käfer und Ameisen. Davon kann ich ihnen ein ganzes Nest präsentieren, nachdem ich den vertrockneten Wurzelstock von irgendetwas aus gebuddelt habe. In Scharen kriechen plötzlich geflügelte Viecher (fliegende Ameisen?) aus dem Loch. Ich weiß, das ist Natur, aber eklig finde ich es doch. Schnell schippe ich eine Handvoll Erde über die Insekten und höre den Vögeln beim Zwitschern zu, während ich die Sonnenblumen einpflanze.

Sonnenblumenpflänzchen
Die Männer fahren eine Schubkarre voll Naturabfall auf den Kompost, ich installiere den Rasensprenger im vorderen Bereich des Gartens und beschwöre den Zwerg, nicht durch das Wasser zu rennen.
„Mach ich aber dohoch!“, schreit er und düst los.
Ich hinterher, denn es ist kühl und wir haben keine Wechselklamotten dabei. Als sich sein Haupthaar durch die Feuchtigkeit langsam kräuselt, ziehe ich ihn weg. Der Rasen soll nass werden, nicht er.

Nach einer Kaffeepause auf dem Laubenvorplatz der Terrasse machen sich unsere Freunde wieder auf die Socken. Wir räumen auf, gießen den Rest des Gartens und fahren nach Hause. In der Bahn fragt der Zwerg:
„Mama, wie lange dürfen wir den Garten behalten?“
„Solange wir wollen.“
„Dann möchte ich ihn für immer haben.“

Nun gut, der Zwerg sagt momentan auch, dass er mich heiraten und immer bei mir bleiben will. Da warten wir mal ab, wie er das in zehn Jahren sieht ;-). Aber bis dahin werden wir hoffentlich noch viel Spaß gemeinsam im Garten haben.

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