Zupfen am T-Shirt bei 35 Grad

Es ist heiß … seeeehr heiß … es ist so heiß, dass der Mann keinen Hunger hat. Und wenn der keinen Hunger hat, dann muss es verdammt heiß sein.
Es ist Pfingsten. Auf der Vereinsparzelle tobt seit 10 Uhr der Frühschoppen. Die ersten Kandidaten hängen schon in den Seilen, vier unermüdliche Paare schwofen träge zu Vicky Leandros, Kinder lutschen Eis. Wir schauen kurz um die Ecke und ziehen uns schnell auf unsere Parzelle zurück.
Dies wird unser erstes langes Gartenwochenende. Wir erwarten an beiden Tagen Gäste und haben uns mit Grillzeug eingedeckt, (nichtschmilzbaren) Kuchen und Salat vorbereitet.

Der Mann zeigt dem Zwerg, wie man das Planschbecken füllt. Begeistert schwingt der Kleine den Wasserschlauch, sodass der Rasen eine unfreiwillige Dusche in der Mittagsglut abbekommt. Apropos Mittagsglut: Der Schatten unseres Ampelsonnenschirms reicht bei Weitem nicht aus, um Tisch, Stühle und auch noch das Planschbecken abzudecken. Der Mann bastelt das Sonnensegel, das jahrelang ungenutzt bei uns zu Hause herumlag, an unterschiedliche Pfähle. Ein Lob den langen Schnüren. Jetzt noch ein Seitenteil des Pavillions, den Herr Wuttke uns hinterlassen hat, daneben gespannt, und die Schattenfläche ist immens vergrößert. Leider ist damit der Ausblick auf den Himmel immens verkleinert. Aber besser, als durchgebraten zu werden.
Der Zwerg hat in der Zwischenzeit Millie, das zweijährige Nachbarsmädchen, gehört und steckt so lange seine Nase durch den Maschendrahtzaun, bis er eingeladen wird, ’rüberzukommen. Happy springt er zu seiner neuen Freundin ins Planschbecken. Gemeinsam Baden macht doch immer noch am meisten Spaß. Er scheint sich drüben sehr wohl zu fühlen, denn als ich mal auf Toilette gehe, sehe ich ihn neben der Nachbarsoma auf der Bank sitzen.
„Die Mama von meiner Mama heißt Frieda“, erzählt er gerade, „und die Mama von meinem Papa heißt Anneliese, und meine einen Großeltern wohnen in Kleinkleckersheim und die anderen in Hasenfelde.“
Da kann man ja schon froh sein, wenn er nicht unsere Kontonummern samt PINs ausplaudert …

Am Nachmittag kommen unsere Gäste und sind begeistert vom Garten. Einhellige Meinung: „Das ist ja total unspießig.“
Stimmt – mit ein paar Ausnahmen wird unsere Kolonie nicht von der Gartenzwerg-Mafia kontrolliert. Unser Garten wird momentan vielmehr von der Unkraut-Mafia heimgesucht. Mir bleibt wohl nichts anderes als Schutzgeld oder Jäten. Aber das muss vertagt werden, denn bei diesen Temperaturen zupfe ich nirgendwo anders als am T-Shirt, und auch das nur, um mir Luft zuzuführen.

Gegen Abend weihen wir unseren „neuen“ Grill ein. Herr Wuttke hat ihn uns in tadellosem Zustand hinterlassen, er glänzt hell in der Sonne. Beim Anfeuern und Nachglühen steigt die Durchschnittstemperatur im Umkreis zwar um gefühlt zehn Grad an, aber dafür sind die Würstchen und die Fische in Alufolie perfekt.
Grilleinweihung
Als später noch Claudi (die Freundin des Mannes, über die wir an unsere Parzelle gekommen sind) und Bert vorbeikommen, ist das Gartenglück perfekt. Die beiden zeigen uns, wie man die Sprenkleranlage bedient und helfen uns, als es dunkel wird, beim Vergießen des Planschbeckenwassers. Das wird auch höchste Zeit, denn einige Pflänzchen lassen schon ganz schön ihre Blätter hängen.
Es wird noch ein langer Abend. Wir kramen eine Petroleumlampe aus dem schier unerschöpflichen Schuppen des Herrn Wuttke und illuminieren die Weißweinflaschen auf dem Tisch. Die Mücken surren um uns herum, der Zwerg springt nackt über die Wiese, bis er schließlich auf meinem Schoß einschläft. Als wir aufbrechen, ist es ein Uhr. Claudi und Bert schlafen in ihrer Laube, wir hatten uns dummerweise nicht auf eine Übernachtung eingestellt. Aber das werden wir sicherlich bald einmal nachholen.

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