Alles fließt

Es herrscht Traumwetter, gefühlte 25 Grad, und das an einem 6. April. Wir fahren das fehlende Equipment in den Garten, also den Boiler, die Duscharmatur und noch ein paar andere Bequemlichkeiten wie die uralte Mikrowelle, für die es in der Miniaturküche eine eigene Halterung gibt. Alles wird angebracht, dann muss der Mann ein letztes Mal in den Hades hinabsteigen.
Der Zwerg und ich sind derweil überirdisch kreativ. Wir haben in der Laube nämlich eine Tüte mit bunten Plastikostereiern gefunden.
Schnell ist der passende Strauch ausgemacht, direkt am Zaun neben dem Gartentörchen. Hochkonzentriert hängt der Zwerg zehn Eier direkt nebeneinander alle auf dieselbe Höhe. Den Rest versuche ich ausgewogen zu verteilen. Als der Zwerg mal kurz woanders ist, lichte ich den Eierknubbel, den er fabriziert hat, etwas. Er kommt wieder und merkt Gott sei Dank nichts. Wir treten einen Schritt zurück und betrachten unser Werk.

Ostereier

 

 

 

 

Auch der Mann hat es schließlich vollbracht. Er dreht das Wasser auf und aus allen Hähnen sprudelt es. Endlich funktioniert die Toilettenspülung, ein Luxus, den ich mir die letzten Wochen leider verkneifen musste.
Es wird immer deutlicher, was das im Sommer für ein Paradies sein wird. Das zeigen mir auch all die Bäume und Gehölze auf unserer Parzelle, die wie wild blühen. Vor allem die Apfelblüten haben es mir angetan. Und die gelben Frühlingsbälle, die man momentan überall in der Stadt sieht und die ich so getauft habe, weil ich deren wirklichen Namen leider nicht kenne. Ebenso wie das Gewächs mit den Blättern, die gegen die Sonne so herrlich rot leuchten. Ich wüsste zu gerne, wie das heißt.
Rote Blätter
Jetzt, wo wir endlich Wasser haben, bitte ich den Mann, die Gießkannen zu holen. Wieder steigt er hinab in die Tiefe (das wird anscheinend zum Programm für ihn) und reicht mir zwei quietschgelbe und eine grüne Kanne hoch.
„Juhu, gießen!“, kreischt der Zwerg und springt aufgeregt um mich herum. Er ist kaum zu halten und reißt mir die Gießkanne, die ich unter einen der Hydranten halte, förmlich aus der Hand. Ächzend schleppt er das voll Teil zur Wiese und kippt einen Riesenschwall Wasser darauf. Ein kleiner See bildet sich und sickert unendlich langsam in die Erde.
„Schätzchen, nicht das Gras gießen, sondern die Bäume und Blumen“, flöte ich.
Der Zwerg nickt und rennt zum Beet. Er setzt das Unkraut unter Wasser und hält die Ziergehölze kurz. Es ist sinnlos, jetzt einzugreifen, denn er ist wie im Wahn. Vor Begeisterung zitternd schüttet er Wasser hierhin und dorthin, auf seine Schuhe, über seine Hose, auf die Terrassenplatten. Sobald die Kanne leer ist, schreit er: „Mehr Wasser!“
Man kann nur ahnen, wie es im Sommer wird, wenn wir ihm ein riesiges Planschbecken auf den Rasen stellen. Das wird ein Fest!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s