Mumien im Kehrblech

22.2.2014

Ausgerüstet mit Bananen, Äpfeln und etwas zu trinken, ziehe ich gemeinsam mit dem Zwerg gen Garten aus. Der Mann kann nicht mitkommen, winkt uns von der Wohnungstür aus zu und amüsiert sich prächtig über uns: „Fruchtmumien? Mein Gott, was es nicht alles gibt! Na, dann viel Spaß beim Abpflücken.“

Weiterhin ist es diesen Februar ungewöhnlich mild. Als wir im Garten ankommen, scheint die Sonne auf den Laubenvorplatz die Terrasse. Flugs die Flügeltüren geöffnet, damit Luft in die leicht muffige Laube strömen kann, die schwere Holzbank in die Sonne gerückt und eine kleine Vesper abgehalten. Damit weihen wir auch gleich unser neues Geschirr ein. Habe mich selten so über weiße Teller mit geschwungenem Blumenrand gefreut.
Den Zwerg hält es nicht lange auf der Bank. Ich hinterher: „Komm, wir schauen mal im Schuppen nach der Leiter und der Harke.“
Zuerst muss ich den Rasenmäher zur Seite räumen, dann kann ich die zusammengeklappte Aluminiumleiter herauswuchten.
„Mama, ich will harken“, ruft der Zwerg enthusiastisch.
Zu Befehl. Ich nehme zwei Harken und wir schlendern zu einem Teil des Beetes, wo die Erde offen herumliegt.
Vorsichtig ziehe ich die Zinken über den Boden. Hmmm … sind diese kleinen Pflänzchen jetzt Unkraut oder die ersten Vorboten seriöser Pflanzen? Ich traue mich nicht, die Kleinen herauszuziehen.
Der Zwerg neben mir ist da weniger zimperlich. Er wuchtet die Harke in den Boden, reißt ganze Brocken dunkler Erde heraus und zieht das Ganze weit über die Rasenkante. Immer wieder muss ich ihn davon abhalten, nicht den Pflanzen, die ich eindeutig als seriös identifiziert habe, an den Kragen zu gehen.
„Mööönsch“, meckert er nach einer Weile, „nichts darf ich.“
Hat jemand gesagt, dass Gartenarbeit mit einem grobmotorischen Vierjährigen entspannend ist?
Ich beschließe, die Sache mit den Fruchtmumien anzugehen, schleppe die Leiter zum Apfelbaum, breche mir beinahe die Finger beim Ausklappen und bin mir bis zum Schluss nicht sicher, ob die Konstruktion, die ich da gebastelt habe, mich wirklich trägt. Aber was soll’s, ein Kehrblech in der Hand, steige ich die paar Sprossen nach oben – und fühle mich unglaublich … gärtnerisch. So professionell! Vor zwei Monaten hätte ich Fruchtmumien für eine neue Haribo-Sorte gehalten, und jetzt besitze ich einen Baum, an dem sie hängen.

Fruchtmumien

Fruchtmumien

Liebevoll strecke ich meine Hände nach ihnen aus, sanft pflücke ich sie ab, zärtlich lege ich sie ins Kehrblech. Meine Mumien.
Und was mache ich nun mit ihnen? Darf man sie in den Kompost werfen? Sie sind doch verschimmelt. Oder muss man sie mit dem Hausmüll entsorgen?
Da höre ich Stimmen. Drei Frauen, ein Mann und zwei Kinder, halb so alt wie meines, biegen um die Ecke und schließen doch tatsächlich das Törchen des Nachbargartens auf. Wie der Blitz steht der Zwerg am Zaun und drückt die Nase durch die Maschen.
Keine fünf Minuten, und auch ich stehe am Zaun und unterhalte mich mit der Nachbarin, während im Hintergrund ihr Mann den Rechen durch die Beete zieht. Die Kinder haben sich schon angefreundet und sind dem Zwerg in unsere Buddelkiste gefolgt. Großartig Konversation können sie zwar nicht machen, aber sie amüsieren sich prächtig, alle drei mit glänzenden Rotznasen. 🙂
Zum Schluss nehme ich mir noch ein Beispiel an unseren Nachbarn und krame den Rechen aus dem Schuppen. Leider finde ich den passenden Stiel dazu nicht, und so beschränke ich mich darauf, hockend die Swimmingpool-Ränder von den Blättern zu befreien.

Als wir schließlich unser Gartentörchen abschließen, habe ich gerade mal den Boden der Laubsammeltasche mit Blättern bedeckt, während der Herr Nachbar schon eine Schubkarre voll zum Kompostplatz fährt. Nun ja, wenn ich erst mal den Rechenstiel gefunden habe, werde ich nachlegen!

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