Der „Was-machen-die-Nachbarn?“-Virus

9.3.2014

„Lass mich auch mal!“, ruft der Zwerg und greift nach der Gartenschere. Ich finde ja, das ist ein ziemlich gefährliches Ding für einen Vierjährigen, aber er lässt nicht locker. Also gebe ich es ihm und schaue dabei zu, wie er versucht, den vertrockneten Zweig von etwas abzuschneiden. Überall in unserem Garten stehen solche vertrockneten Gewächse. Teilweise wachsen darunter schon wieder neue Triebe (oder wie man das nennt) nach. Keine Ahnung, was das jeweils ist. Egal, das Alte wird jetzt abgeschnitten. Bzw. würde, wenn der Zwerg denn mit der Schere klarkäme. Aber der Mechanismus überfordert ihn dann doch. Er gibt mir das Teil freiwillig zurück und rennt lieber ums Haus, um zu sehen, was der Papa so treibt.
Derweil mühe ich mich mit den alten Trieben ab. Junge, Junge, sind die hart, nach fünf Minuten bekomme ich Krämpfe in den Händen. Ich verlege mich darauf, die ganz Dicken für den Mann übrig zu lassen. Wozu hat man denn schließlich den Gärtner?
Als ich fertig bin, sehen die Beete so ordentlich aus – wenn man nicht so genau hinschaut. Denn auch hier: das Laubproblem. Ohne Rechen bekomme ich das niemals alles weg.
Bei einem Spaziergang mit dem Zwerg durch die Kolonie werfe ich Blicke über die Zäune und Hecken und schaue mal, wie es die anderen so machen.
Oh Gott, habe ich die Triebe (oder wie man das nennt) etwa zu kurz über dem Boden abgeschnitten? Bei den anderen sind die viel länger. Und wie haben die alle bloß das Laub von ihren Beeten bekommen? Die sehen ja piccobello aus. Wahrscheinlich waren unsere Gartenfreunde früher am Werk und mussten noch keine Rücksicht auf unschuldige, verletzliche Pflänzchen nehmen. Aber wer konnte denn ahnen, dass der Frühling so früh beginnt? Letztes Jahr um diese Zeit lag Schnee. Und das den ganzen März durch …
Jetzt muss ich lachen. Ich habe gerade meinen ersten Anfall von „Was-machen-die-Nachbarn?“. Dieser Virus hat mich ja wirklich schnell befallen. Nichts wie zurück auf unsere Parzelle. Hier spielt die Musik*.

*Die heute übrigens nicht zu hören war. Es gibt also Hoffnung.

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