Als wir den Garten noch nicht hatten, war das Leben viel trauriger

8.3.2014

Die Sonne lacht vom Himmel, es ist wunderbar mild und wir entscheiden spontan beim Mittagessen, in den Garten zu fahren. Ich will den Rechenstiel suchen und endlich den Laubteppich vom Gelände kratzen. Der Zwerg schreit freudig Hurra, der Mann schließt die Augen und erzählt etwas von Liegestuhl, Buch und Sonne. Ich fürchte, er hat sich da im Monat vertan …

Wundersamerweise finde ich den Stiel sofort im Schuppen. Er ist an ein undefinierbares Gartenwerkzeug gesteckt. Ich montiere ihn ab, stecke ihn auf den Rechen und lege los. Ein herrlich schabendes Geräusch. Im Hintergrund ertönen aber noch andere Geräusche. Scheinbar befindet sich in einer der Werkshallen, deren rote Klinker durch die unbelaubten Bäume scheinen, ein Tonstudio. „Bumm, bumm, bumm. Wumm, wumm, wumm“, weht es herüber. Ich kann das ganz gut ausblenden (so was macht mich nur zur rasenden Furie, wenn ich im Bett liege und einschlafen will), aber der Mann schaut immer wieder erbost aus dem Liegestuhl hoch. „Wenn das jetzt den ganzen Sommer so geht, dann kündige ich wieder!“

Derweil wachsen die Laubberge. Schwierig wird es auf den Beeten, wo schon die ersten Frühblüher ihre grünen Blätter herausstrecken. Wie soll ich denn da rechen, ohne die zarten Pflänzchen zu zerstören? Vorsichtig fahre ich mit den Metallzinken daran vorbei, doch auf diese Weise bekomme ich nur die Hälfte der Blätter zu fassen und das ein oder andere Schneeglöckchen muss doch dran glauben. Ich arbeite mit den Händen nach. Aber das ist eher etwas für Sisyphos. Ich entscheide, dass auf unseren Beeten eben etwas Laub liegen bleibt.
Der Mann packt die Laubberge in die Schubkarre um, der Zwerg befüllt seine Kinderkarre. Gemeinsam ziehen sie zum Kompostplatz. Als sie zurückkommen, sitzt der Zwerg samt Minikarre in der großen und strahlt wie ein Honigkuchenpferd. „Als wir den Garten noch nicht hatten, war das Leben viel trauriger!“, ruft er mir entgegen.
Würde ich zwar etwas positiver ausdrücken, stimmt aber trotzdem. Es macht Spaß, unser Grundstück gemeinsam auf Vordermann zu bringen.
Als die Sonne weg ist und es merklich kühler wird, brechen wir auf nach Hause. Morgen soll es noch wärmer werden. Wir kommen wieder.

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